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Zwischen Fremden, Freunden und neuem Mut: PLUME brillieren beim Local Heroes Bundesfinale 2026

Das Warten hat sich gelohnt: Als letzter Act des Abends und des Bundesfinales betraten PLUME die Bühne und lieferten eine fulminante Show. (Foto: Anna Pospiech)

Die Münchner Band PLUME nimmt vom diesjährigen Bundesfinale neue Freundschaften, Inspiration und vor allem mehr Vertrauen in den eigenen Weg mit.

Sie kamen ohne große Erwartungen nach Schloss Hundisburg bei Magdeburg und gingen mit einem veränderten Blick auf ihre Musik wieder nach Hause: Für PLUME, die bayerischen Landesfinalisten von Local Heroes, wurde das Bundesfinale 2026 vor allem zu einer Begegnung mit Menschen, die trotz völlig unterschiedlicher Musik erstaunlich viel miteinander verbindet. Zwischen Konzerten, Gesprächen und einer ungewöhnlich intensiven Nähe untereinander entstand für die Vier etwas, das im normalen Musikeralltag nur selten Platz findet: das Gefühl, mit dem eigenen Traum nicht allein zu sein.

Gemeinsam statt allein: In Hundisburg trafen Plume auf Bands und Projekte aus ganz Deutschland, die trotz unterschiedlicher Sounds eines verband: die Leidenschaft, gemeinsam Musik zu machen. (Foto: Line Tsoj)

Wenn aus Konkurrenz Gemeinschaft wird

Eigentlich ist es ein nationaler Musikpreis: 13 Acts aus verschiedenen Bundesländern kamen vom 2. bis 6. September zusammen, jeder mit eigener Musik, einer eigenen Geschichte und eigenen Hoffnungen. Doch bei PLUME blieb nach den Tagen auf Schloss Hundisburg in erster Linie etwas anderes hängen.

„Wir sitzen alle im selben Boot. Wir haben alle dasselbe Ziel. Und alle machen das auch echt supergut“, fasst Sänger Pascal ihre Erfahrungen zusammen. Besonders wertvoll sei es gewesen, die eigene musikalische Blase für ein paar Tage zu verlassen und zu erleben, wie unterschiedlich andere Künstler:innen ihre Welt übersetzen. „Es ist schön, aus dem eigenen Kosmos ein bisschen rauszukommen und zu sehen, was sonst noch so in der Musikwelt abgeht.“

Was zunächst nach einer einfachen Begegnung verschiedener Genres klingt, wurde für PLUME schnell persönlicher. Aus fremden Acts wurden Gesprächspartner:innen, aus Gesprächspartner:innen Bekannte und aus manchen am Ende sogar Freund:innen. Genau das veränderte schließlich auch den Moment, in dem die Band am letzten von insgesamt drei Konzertabenden selbst auf die Bühne durfte.

Technisch wie performativ sah die Jury PLUME bereits sehr weit: Auch die durchdachte Wirkung ihrer Live-Show blieb den Fachleuten nicht verborgen. (Foto: Anna Pospiech)

Plötzlich stehen dort keine Fremden mehr

Normalerweise kennt ein Act sein Publikum kaum. In Hundisburg war das anders. Wer vor der Bühne stand, hatte selbst Songs geschrieben, Soundchecks gespielt, Lampenfieber erlebt und wusste ziemlich genau, was es bedeutet, in diesem Augenblick dort oben zu stehen.

Für PLUME machte gerade das den Auftritt außergewöhnlich: „Was ich besonders faszinierend fand, war dieses Setting: Vor einem Publikum zu spielen, das nur aus Musiker:innen besteht. Ich wüsste nicht, wo man das sonst bekommt. Das war einzigartig“, betont Schlagzeuger Richard.

Und ausgerechnet diese Nähe machte die Sache nicht einfacher. PLUME spielte, nachdem die Band bereits viele der anderen Shows gesehen und die Menschen dahinter kennengelernt hatte. „Ich war noch nie so nervös“, meint auch Gitarrist David rückblickend. Denn auf einmal standen dort keine anonymen Zuschauer:innen mehr. Nach diesem Wochenende seien aus Fremden „Bekannte und Freunde“ geworden.

Gleichzeitig lag darin etwas Tröstliches. Niemand vor der Bühne musste erklärt bekommen, wie sich dieser Moment anfühlt. Alle wussten es selbst nur allzu gut.

Vielleicht ist das eine der Besonderheiten des Local Heroes-Bundesfinales: Für wenige Tage verschwimmen die Grenzen zwischen Publikum und Künstler:innen. Man schaut einander nicht nur zu. Man versteht, was der oder die andere dort gerade versucht.

Gelungene Inszenierung: Beim Bundesfinale zeigte die Band einem völlig neuen Publikum, wie viel Energie, Präzision und Spielfreude in ihrer Bühnenshow steckt. (Foto: Anna Pospiech)

Die Jury sieht eine Band mit „Aura“

Auch bei der Fachjury hinterließ PLUME einen deutlichen Eindruck. „Die Performance hat uns beeindruckt“, lautete eines der unmittelbaren Fazits von Marie-Antoinette Lührs. Besonders die Klarheit, mit der die Band inzwischen musikalisch und auf der Bühne auftrete, fiel auf. „Das ist alles ausgecheckt – auf allen Ebenen. Schöne Bilder, schönes Songwriting. Wir haben verstanden, was sie wollen.“ Auch die „crowd control“ sei nach Ansicht von Chris Heide „krass“. „Sie haben Aura. Die wissen, was ihr Sound ist. Das spricht für sich“, stellt er heraus.

Pure Freude! Beim Bundesfinale wurde aus vielen unterschiedlichen musikalischen Vorlieben für einen Abend ein gemeinsames Konzerterlebnis. (Foto: Anna Pospiech)

Ein großes Kompliment für eine junge Band, die selbst nach Hundisburg gekommen war, ohne genau zu wissen, was diese kurze Zeit mit ihr machen würden. PLUME beschreibt die eigene Haltung vor der Anreise als „relativ erwartungslos“, beinahe naiv: ankommen, mitgehen, schauen, was passiert…

… und passiert ist einiges…

Denn gerade das hohe Niveau der anderen Bundesfinalist:innen ließ auch die Jury aufhorchen. Sie zeigte sich „positiv überrascht über das Level“, das insgesamt zu erleben gewesen sei. Die Qualität der Musiker:innen sei in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, stellte etwa Musikjournalist Martin Hommel heraus. Gleichzeitig beschrieb die Jury eine Atmosphäre, die in der Musikbranche keineswegs selbstverständlich sei: herzlich, angenehm, offen und willkommen.

Von Bayern bis zum Bundesfinale und darüber hinaus: Für PLUME ist der Weg nach Hundisburg auch ein Beispiel dafür, was kontinuierliche Nachwuchsförderung jungen Musiker:innen ermöglichen kann. (Foto: Bragi Adason)

Inspiration kommt manchmal von der Bühne nebenan

Für PLUME bedeutete das Bundesfinale deshalb auch: sehr viel Musik hören. Und sehr genau hinschauen.

Besonders beeindruckt zeigte sich die Band von Acts, die kompromisslos ihrer eigenen künstlerischen Idee folgten. Über das Duo Hermitcrab aus Berlin sagt PLUME etwa: „Wir standen einfach nur da mit offenem Mund und haben es passieren sehen.“ Beeindruckend sei vor allem die Konsequenz gewesen, mit der diese sehr jungen Musiker ihr eigenes Ding durchzogen, unabhängig davon, wie es aufgenommen werden könnte. „Dafür haben wir großen Respekt!“

Auch andere Auftritte blieben hängen: Musik, die roh sein durfte, die zutiefst berührte, überraschte oder auch weit außerhalb des eigenen Hörgewohnheiten lag. Und vielleicht war genau das die entscheidende Erfahrung: Es musste nicht die gleiche Musik sein, um dieselben Zweifel, Hoffnungen, Leidenschaften und Wünsche darin wiederzuerkennen.

„Deswegen sind wir die 13 Bundesfinalistinnen: Jeder hat etwas Besonderes“, bringt Frontmann Pascal diesen Gedanken auf den Punkt. Hinter den unterschiedlichen Sounds entdeckte die Band immer wieder dieselben Fragen: Was treibt uns an? Woran zweifeln wir? Wie weit wollen wir mit unserer Musik gehen?

Der vermeintliche „Wettbewerb“ wurde damit für einige Tage zu einer Art gemeinsamer Standortbestimmung.

Über Musik sprechen heißt manchmal auch, sie selbst besser zu verstehen: Das Wochenende gab Plume Gelegenheit, den eigenen Weg zu reflektieren. (Foto: Laura Hubenthal)

Mehr Vertrauen in den eigenen Weg

Was bleibt davon, wenn am Ende des Musikcamps die Verstärker wieder ausgeschaltet sind, die unzähligen Gespräche enden und die eigenen Koffer gepackt werden?

Bei PLUME ist die Antwort erstaunlich klar. „Wir gehen auf jeden Fall mit mehr Selbstbewusstsein und mehr Vertrauen in uns selbst und in unseren Weg hier raus“, sagt Pascal. „Das ist das Wichtigste und das Größte, was wir hätten hier mitnehmen können.“

Es ist vielleicht der unspektakulärste Satz dieses Wochenendes und gleichzeitig der entscheidende. Denn eine Musikkarriere besteht eben nicht nur aus Konzerten, Reichweiten, Veröffentlichungen oder gar Preisen. Sie besteht auch aus der immer wiederkehrenden Frage, ob das, woran man arbeitet, tatsächlich irgendwohin führen kann.

In Hundisburg bekam diese Vorstellung für PLUME eine neue Realität. Die Gespräche mit anderen Acts hätten gezeigt, wie greifbar der Traum sein kann, irgendwann vollständig von der eigenen Musik zu leben. Das habe Mut gegeben und das Gefühl verstärkt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Hinzu kam ein Luxus, der im Alltag vermutlich viel seltener ist, als er sein sollte: mehrere Tage lang fast nichts anderes denken zu müssen als Musik.

„Dass man den ganzen Tag mit der Musik verbringen kann, hat sich gut angefühlt. Das war sehr inspirierend“, sagt Richard. Und dieser Zustand habe den Wunsch noch verstärkt, sich der eigenen Kunst künftig noch mehr hinzugeben.

Während andere noch auf den nächsten Programmpunkt warteten, setzten Plume längst den nächsten eigenen Akzent: Mit „My Cortisol Face“ erschien während des Bundesfinales neue Musik der Band.

Eine kleine Utopie, die Geld kostet

Doch genau dieser Freiraum ist nicht selbstverständlich. Dass PLUME heute an diesem Punkt steht, verbindet die Band ausdrücklich auch mit den Förderstrukturen, die sie auf ihrem bisherigen Weg begleitet haben. „Ich glaube, die Band gäbe es, so wie wir jetzt hier stehen und an dem Punkt, an dem wir sind, nicht ohne Fördergelder und Unterstützung. Unmöglich“, sagt Richard.

Es ist ein Gedanke, der über dieses eine Bundesfinale hinausweist. Kunstförderung klingt auf dem Papier schnell nach Haushaltspositionen, Anträgen und ja, knallharten Zahlen. Auf Schloss Hundisburg bekommt sie Gesichter. Da sind junge Menschen, die ausprobieren dürfen. Die Fehler machen können. Die Kontakte knüpfen, voneinander lernen und für ein paar Tage erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ihre Kunst nicht etwas ist, das zwischen andere Verpflichtungen gequetscht werden muss, sondern ganz frei im Mittelpunkt stehen darf.

PLUME formuliert es pragmatisch: Im Vergleich mit großen Investitionen lasse sich in der Kunst „mit wenig Geld unfassbar viel erreichen und einen ganz großen Impact schaffen“. Es sei daher unglaublich, dass es „Räume“ wie Local Heroes gibt.

Und noch etwas steckt für die Band darin. Die Möglichkeit einer musikalischen Ausbildung auch für Menschen mit Migrationshintergrund, kulturelle Teilhabe und Netzwerke wie Local Heroes seien keineswegs selbstverständlich. „Es wäre schön, wenn das auch so bleibt für alle anderen Menschen. Egal, ob sie Deutsche sind oder hierherkommen.“ Vereinsarbeit, Ehrenamt und alles, was damit zusammenhänge ist in ihren Augen einfach „unbezahlbar“.

Die Jury formuliert diesen Gedanken ebenfalls mit großer Dringlichkeit. Nachwuchsarbeit für Musikschaffende sei wichtig, weil junge Künstler:innen Orte benötigten, an denen sie erste Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren können. Ihre vielleicht kürzeste Zusammenfassung lautet: „Musik verbindet!“

Das Bundesfinale richtete den Blick nicht allein auf die Bühne: Für einige Tage konnten sich PLUME vollständig mit ihrer Kunst und ihrer weiteren musikalischen Laufbahn beschäftigen. (Foto: Laura Hubenthal)

Was von Hundisburg bleibt

Vielleicht lässt sich das Bundesfinale für PLUME deshalb gar nicht auf einen einzelnen Auftritt reduzieren.

Da waren andere Künstler:innen, deren Mut beeindruckte. Es gab Gespräche über Probleme, die über Genregrenzen hinweg plötzlich erstaunlich ähnlich klangen. Es war ein Publikum zugegen, das selbst wusste, wie sich Nervosität vor einem Konzert anfühlt. Und eine Band, die ohne große Erwartungen nach Sachsen-Anhalt fuhr und dort eine Bestätigung fand, nach der sie vorher vielleicht gar nicht konkret gesucht hatte.

Selbst das gemeinsame Leben auf engem Raum hinterließ seine Spuren. Die ungewohnte Nähe innerhalb der Band brachte PLUME zu einem augenzwinkernden, aber ziemlich schönen Fazit: „Das hat uns auch nochmal gezeigt, dass wir uns lieben. Und dass es schön ist, dass wir uns gefunden haben.“

Viel besser lässt sich kaum beschreiben, was diese Tage auf Schloss Hundisburg für PLUME gewesen sein dürften: Kein Endpunkt. Kein endgültiges Urteil darüber, wohin die gemeinsame Reise führt. Aber ein Ort, an dem aus Fremden Freunde werden konnten und aus einem großen Traum etwas ein kleines bisschen Greifbareres…

Text: Nicole Oppelt

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