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40 Jahre Musikinitiative Hammelburg: Vier Jahrzehnte Rock’n’Roll, Ehrenamt und ein Haus voller Geschichten

Wie die Zeit vergeht! Schon beim 30. Geburtstag wurde das Wasserhaus zum Treffpunkt für Musikfans und Wegbegleiter der Musikinitiative. (Foto: Dani Red)

Hammelburg. Ein Haus kann vieles bewahren. Plakate vergangener Konzerte, Spuren unzähliger Abende und vielleicht so manche Geschichte, die nur diejenigen kennen, die dabei waren. Vor allem aber bewahrt es Erinnerungen. Das Wasserhaus in Hammelburg hat davon über viele Jahre reichlich gesammelt. Erste Auftritte und letzte Zugaben gehören ebenso dazu wie schiefe Töne, große Momente, neue Freundschaften und Bands, die hier ihre ersten Schritte machten und später auf größeren Bühnen standen. Wer seine Geschichte erzählen will, muss deshalb nicht nur auf Jahreszahlen schauen. Man muss den Menschen zuhören, die dieses Haus mit Leben gefüllt haben.

Seit 2004 betreibt die Musikinitiative Hammelburg e.V. das Wasserhaus als Jugendkulturzentrum und Vereinsheim. Doch die Geschichte des Vereins reicht deutlich weiter zurück. Am 19. Juli 1986 kamen 24 Musikbegeisterte im damaligen Hammelburger Jugendzentrum zusammen. Was sie verband, war nicht nur die Begeisterung für laute Gitarren, sondern eine gemeinsame Idee: Rockmusik sollte in Hammelburg einen festen Platz bekommen. Und der musikalische Nachwuchs sollte eine Anlaufstelle haben, die Möglichkeiten eröffnet und neue Wege schafft.

Hier steckt viel Arbeit drin: Das Wasserhaus in Hammelburg ist seit 2004 Vereinsheim und kulturelles Zuhause der Musikinitiative. (Foto: Sebastian Mützel)

Aus dieser Idee entstand die Musikinitiative Hammelburg e.V.

Dass die junge Initiative damit offenbar einen Nerv getroffen hatte, zeigte sich nur wenige Wochen später. Am 5. September 1986 veranstaltete der noch junge Verein beim FC Weinfest erstmals „Rock im Zelt“. Flying Toastbreads, Lay Out, Nightmare, Tamara und Double UC standen auf der Bühne. 600 Gäste kamen. Für einen Verein, dessen Geschichte gerade erst begonnen hatte, war das ein Auftakt mit bemerkenswertem Nachdruck.

Vier Jahrzehnte später ist aus der Initiative von 24 Musikbegeisterten eine feste Größe der Hammelburger Kulturlandschaft geworden. Mehr als 300 Mitglieder zählt der Verein heute. Er stellt Bands Proberäume zur Verfügung, organisiert Konzerte und Veranstaltungen und betreibt mit dem Wasserhaus einen eigenen Ort für Musik, Jugendkultur und Begegnung. Geblieben ist dabei jener Gedanke, mit dem alles begann: Rockmusik nicht nur eine Bühne, sondern ein Zuhause zu geben.

2026 steht nun ein runder Geburtstag an. Die Musikinitiative wird 40 Jahre alt und feiert das Jubiläum so, wie es zu einem Verein passt, in dem Musik seit vier Jahrzehnten Menschen zusammenbringt.

Am Samstag, 12. September 2026, wird das Gelände hinter dem Wasserhaus zur großen Open-Air-Bühne. Zehn Bands, viele davon eng mit der Geschichte des Vereins und der regionalen Musikszene verbunden, kommen dafür zusammen. Es soll ein Wiedersehen mit vielen werden, die vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte mitgeprägt haben, ein Fest für die heutige Generation und zugleich ein Vorgeschmack darauf, wohin die Reise der Musikinitiative in den kommenden Jahren gehen soll.

Die Open Air-Veranstaltungen gehören für viele Wegbegleiter zu den Highlights. In guter Erinnerung ist zum Beispiel das Open Air 2016, das einmal mehr zahlreiche Musikfans am Wasserhaus zusammenbrachte. (Foto: Dani Red)

Zehn Bands für vier Jahrzehnte

Los geht es um 14 Uhr, Einlass ist ab 13.30 Uhr. Musikalisch reicht das Programm von Rock über Blues und Punk bis zu verwandten Spielarten. Dazu kommen Essen und Getränke und später eine Aftershowparty im Wasserhaus mit Hits aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren. Der Eintritt kostet 15 Euro, Mitglieder der Musikinitiative zahlen 10 Euro, Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.

Die Auswahl der zehn Bands ist dabei weit mehr als ein musikalischer Querschnitt durch Rock, Punk und verwandte Spielarten. Auf der Bühne treffen unterschiedliche Generationen der regionalen Szene aufeinander, von Bands, deren Geschichte sogar weiter zurückreicht als die der Musikinitiative selbst, bis zu jungen Projekten, die erst in den vergangenen Jahren entstanden sind. Viele von ihnen verbindet dabei nicht nur die Musik, sondern eine gemeinsame Geschichte mit der Musikinitiative und dem Wasserhaus.

Black River City Girls (Foto: Sebastian Mützel)

Seit 1997 sind Simone Hepp und Kerstin Eusemann als Black River City Girls unterwegs. Zwei Gitarren, zwei Stimmen und besondere Harmonien bilden das Fundament ihrer gefühlvollen Singer-Songwriter-Musik. Gleichzeitig sind beide seit vielen Jahren eng mit der Musikinitiative verbunden. Laut eigener Presseinfo sogar so lange, dass sie „eigentlich schon zu den Ehrenmitgliedern“ gehören. Unter anderem waren sie 2001 Teil des Hammelburger Live-Projekts „Mixed Pickles“ und standen beim 30-jährigen Jubiläum 2016 auf der Bühne. Nach einigen ruhigeren Jahren sind die Black River City Girls nun wieder da und bringen ihre alten Songs in neuem Gewand zurück. Beim 40-jährigen Jubiläum wird daraus vor allem eines: ein echtes Heimspiel.

Nightmare (Foto: Dani Red)

Kaum eine Band im Jubiläumsprogramm kann auf eine längere gemeinsame Geschichte mit der Musikinitiative zurückblicken als Nightmare. 1980 gegründet, war die Punkrockband aus dem Raum Würzburg und Hammelburg schon Teil der regionalen Szene, bevor es den Verein überhaupt gab. Beim allerersten „Rock im Zelt“ 1986 standen Nightmare auf der Bühne und begleiteten damit bereits die Anfangsjahre der Musikinitiative. Punkrock, Rock und Rock ’n’ Roll prägen dabei einen Sound, der klassische Genregrenzen immer wieder überschritten hat. Ein besonderer Moment dieser langen gemeinsamen Geschichte war das 30-jährige Jubiläum 2016. Der Auftritt von Nightmare sorgte für derart lautstarke Zugaberufe, dass die Musikinitiative ihn später als „legendär“ bezeichnete. Auch für The Diapers waren Nightmare das eindeutige Highlight des Abends.

Orange Pekoe (Foto: Pressematerial)

Orange Pekoe entstanden aus der lebendigen Hammelburger Rockszene und wollten sich schon früh nicht einfach zwischen Neo-Grunge, Alternative Rock oder Britpop einsortieren lassen. Wichtiger waren Groove, Gitarren, Bass und Songs, bei denen Musik, Text und Gefühlswelt zusammenfinden. Dass dieser Ansatz funktionierte, zeigte sich unter anderem beim MainPop-Newcomer-Festival, bei dem die damals noch junge Band von der Jury zur besten Band der Region gekürt wurde. Auch Orange Pekoe gehörten später zum Live-Projekt „Mixed Pickles“ und damit zu einem besonderen Kapitel der Hammelburger Musikgeschichte. Beim Jubiläum kehrt nun eine Band zurück, die schon damals ihren eigenen Weg gehen wollte.

Running Gun Blues (Foto: Carolin Schäfer)

Seit 1988 gehören Running Gun Blues zur Hammelburger Musikszene. Heute besteht das Trio aus Gabriel „Gabs“ Uebel an Keyboard und Gesang, Jürgen Peks an E-Gitarre und Gesang sowie Mathias „George“ Uebel an Schlagzeug und Gesang. Ihr Sound verbindet energiegeladenen Rock mit Einflüssen von Queen und David Bowie bis Elvis, geprägt von mehrstimmigem Gesang und großer musikalischer Vielseitigkeit. Im Laufe ihrer Geschichte machten sich Running Gun Blues unter anderem als Vorband internationaler Größen wie The Cranberries und The Hooters einen Namen. Beim 30-jährigen Jubiläum 2016 waren auch The Diapers angetan: Running Gun Blues seien „richtig geil“ gewesen.

The Diapers (Foto: Sebastian Mützel)

Anfang der 1990er-Jahre gegründet, machten sich The Diapers mit ihrem Alternative Pop Rock, Erfolgen bei „Rock in Bayern“ und „Rock Check“ sowie zwei eigenen CDs einen Namen. Dann kam das Leben mit Beruf, Familie und neuen Verantwortungen. Die Gitarren wurden leiser, aber nie ganz still. Zum 40-jährigen Jubiläum kehren vier der fünf damaligen Musiker gemeinsam mit dem neuen Drummer Sebastian Mützel für ein Reunion-Konzert zurück. Mit dabei sind Tina Schäfer am Gesang, Radek Wrobel an Geige und Gitarre, Joachim Karl am Bass und Sascha „Lutschi“ Turtschany an der Gitarre. Gemeinsam lassen sie den charakteristischen Alternative Pop Rock der Diapers mit eingängigen Melodien, markanten Gitarren und der unverwechselbaren Geige wieder aufleben. Dabei geht es weniger um Nostalgie als um Freundschaft, gemeinsame Erinnerungen und eine Leidenschaft für Musik, die auch nach rund drei Jahrzehnten geblieben ist.

The Fitzz (Foto: Oliver Mauder)

Seit 1990 machen Holger Schmitt-Pawlik, Heiko Hess und Volker Grom gemeinsam als The Fitzz Musik. Ihren unverwechselbaren Stil nennen sie Undergroundpop. Harmonische Klänge, avantgardistische Soundelemente und eingängige Melodien treffen auf abwechslungsreiche Arrangements und Texte, die alltägliche und zwischenmenschliche Geschichten mit Humor und einer gehörigen Portion Eigenwilligkeit betrachten. Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang reichen ihnen dabei völlig aus, um einen Sound zu schaffen, den jeder der drei über Jahrzehnte mit seinem eigenen Charakter geprägt hat. Beim 30-jährigen Jubiläum brachte Nightmare-Frontmann Klaus die besondere Verbindung aus Musik und Performance mit einem einzigen Begriff auf den Punkt: Für ihn waren The Fitzz ein „Kunstwerk“.

Lay-Out (Foto: Carolin Schäfer)

Bei Lay-Out treffen in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen aufeinander: 40 Jahre Musikinitiative und 40 Jahre Bandgeschichte. Schon beim ersten „Rock im Zelt“ 1986 standen Lay-Out auf der Bühne und vier Jahrzehnte später sind sie wieder dabei. Statt musikalischen Trends hinterherzulaufen, setzt die Band bis heute auf selbst geschriebene Musik, zeitlose Melodien und ehrliche Texte. Warme Keyboardflächen und markante Gitarrenriffs prägen einen Sound, der Kraft und Feingefühl miteinander verbindet. Vier Jahrzehnte gemeinsames Musizieren haben aus Lay-Out eine eingespielte Einheit gemacht. Dass Band und Verein nun gemeinsam ihren 40. Geburtstag feiern, schließt einen ziemlich besonderen Kreis.

Motherwell Park (Foto: Thomas Tille)

Motherwell Park gehören zwar zu den jüngeren Namen des Jubiläumsprogramms, hinter der Band steckt jedoch reichlich Schweinfurter und Hammelburger Musikgeschichte. Ihre Mitglieder bringen Erfahrungen aus verschiedenen regionalen Bands mit, darunter Scallwags, Deathjocks und die ebenfalls auftretenden Black River City Girls. Musikalisch wird daraus treibender Power-Pop und melodischer Punkrock: schnelle Drums, kräftige Gitarren und raue Background-Chöre treffen auf die Stimme von Frontfrau Kerstin. Dazu kommen Skate-Punk, Pop-Punk, unerwartete Coverversionen und eine ordentliche Portion 80er- und 90er-Nostalgie. Motherwell Park verbinden damit musikalische Vergangenheit und Gegenwart auf ihre ganz eigene, ziemlich energiegeladene Weise.

Manche mögen Tofu-Tigers (Foto: Lisa Frei)

Irgendwo zwischen Philosophie, Schund und einer gehörigen Portion Humor sind Manche mögen Tofu-Tigers musikalisch zu Hause. Die Hammelburger Akustik-Spaß-Truppe verbindet Akustikgitarre, Tuba und Schlagzeug mit Liedern über faschistoides Kohlgemüse, unsichtbare Ponys oder Exkremente verzehrende Primaten, Stoff also, den man vermutlich nicht bei jeder Band findet. Schon vor mehr als einem Jahrzehnt empfahl Spaceman Spiff scherzhaft, sich ihre Texte auf den Oberarm tätowieren zu lassen. Nach längerer Pause sind die Tofu-Tigers wieder da und dürfen sich inzwischen sogar offiziell Hochzeitskapelle nennen.

EastWest (Foto: Sebastian Mützel)

EastWest stehen für die jüngste Generation in der musikalischen Geschichte der Musikinitiative. Die Band entstand 2023 beim Band-Camp von MAINPOP zunächst unter dem Namen Heartbeat und entwickelte sich von einer Coverband hin zu eigenen Songs. Heute bewegt sich die Band zwischen Alternative Rock, Nu Metal und Hardcore. Brachiale Gitarrenriffs und treibende Beats treffen auf eine Sängerin, deren Ausdruck zwischen Verletzlichkeit und Widerstand wechselt. Inhaltlich greifen EastWest Selbstfindung, das Erwachsenwerden und persönliche wie gesellschaftliche Unsicherheiten einer jungen Generation auf. Einflüsse von Linkin Park, Papa Roach oder Paramore sind hörbar, ohne den eigenen Sound zu bestimmen. Damit zeigt EastWest zugleich, dass die Geschichte der Musikinitiative nach 40 Jahren längst nicht zu Ende erzählt ist.

Die aktuelle Vorstandschaft der Musikinitiative Hammelburg: Gemeinsam setzt das Team neue Impulse für das Wasserhaus und die regionale Musikszene. (Foto: Sebastian Mützel)

Ein Jubiläum ist auch ein Blick nach vorn

Vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte sind dabei nicht nur Anlass zum Zurückblicken. Sie bilden zugleich den Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Musikinitiative. Mit der Neuwahl der Vorstandschaft im Dezember 2025 ist ein verstärktes Team angetreten.

Sean Miller führt den Verein weiterhin als erster Vorsitzender, Sebastian Mützel ist sein Stellvertreter, Andreas Pfülb bleibt Kassier und Marcel Grosch Schriftführer.

Deutlich breiter aufgestellt ist die weitere Vorstandschaft. Daniel Bittner (Kuchen) betreut die Social-Media-Arbeit, Lena Rechtenbacher bringt sich als universelles Dekorationsgenie und Schöpferin des Spieleabends ein. Sandro Aul sorgt als Thekenchef gemeinsam mit Heidi Krebes und David Schramm dafür, dass hinter der Theke nicht nur die Getränke, sondern auch die Abläufe stimmen.

Komplettiert wird die Runde durch Joachim Karl, den wohl treffendsten Kandidaten für den inoffiziellen Titel des „Musikhausmeisters“. Wenn im Wasserhaus etwas repariert, instand gehalten oder mit handwerklichem Geschick am Leben erhalten werden muss, ist er zur Stelle. Die Musikinitiative selbst spricht von einem „neu verstärkten Team“, das die Türen des Wasserhauses für viele Besucherinnen und Besucher öffnen möchte.

Beim Landesfinale 2013 im Wasserhaus trafen Local Heroes Bayern und regionale Nachwuchsförderung schon früh zusammen: Organisatorin Dani und Moderatorin Lisa feierten diesen Abend (nicht nur) mit der Glamrock-Band Rustinal. (Foto: Nicole Oppelt)

Seit der letzten Vorstandswahl setzt die Musikinitiative neue Impulse und knüpft verstärkt an gewachsene Partnerschaften an. Eine davon verbindet den Verein mit Local Heroes Bayern, einer Plattform, die junge Bands und Soloacts fördert, ihnen Bühnen verschafft und Netzwerke öffnet. Diese Verbindung ist keineswegs neu. Bis 2014 wurde das bayerische Landesfinale in Kooperation mit der Musikinitiative Hammelburg ausgetragen. Nach einigen Jahren mit weniger Berührungspunkten ist die Zusammenarbeit 2026 wieder deutlich enger geworden.

Beim diesjährigen „Ab geht die Lutzi!“-Festival in Rottershausen unterstützte die Musikinitiative Local Heroes Bayern beim Landesfinale. Mitglieder des Vereins halfen hinter den Kulissen. Daniel Bittner betreute den Social-Media-Kanal von Local Heroes Bayern und machte die wieder engere Verbindung gemeinsam mit dem Local-Heroes-Maskottchen Bragi auch auf der Bühne sichtbar. Auch Tina Schäfer, Mitglied der Bands The Diapers und EarMachine sowie Gründungsmitglied der Musikinitiative Hammelburg e.V., war erstmals Teil der Jury.

Damit knüpft die Musikinitiative nicht nur an eine frühere Partnerschaft an, sondern baut zugleich ihre Vernetzung über Hammelburg hinaus weiter aus.

Da kommt zusammen, was zusammengehört: Daniel von der Musikinitiative Hammelburg und Local Heroes Bayern -Maskottchen Bragi präsentieren beim Landesfinale 2026 die gemeinsame Arbeit. (Foto: Martin Schöffel)

MAINPOP bringt internationale Musik nach Hammelburg

Eine zweite wichtige Verbindung führt zu MAINPOP, der Popularmusikförderung Unterfranken. Sie unterstützt Musikerinnen und Musiker, Bands und Kulturschaffende durch Beratung, Workshops, Camps und Vernetzung. Gerade das Zusammenspiel von Nachwuchsförderung, Know-how und praktischen Bühnenerfahrungen macht MAINPOP zu einem wichtigen Partner für die regionale Musikszene.

Wie diese Zusammenarbeit aussehen kann, wurde zum Beispiel am 5. Juni 2026 im Wasserhaus deutlich. Im Rahmen des MAINPOP-Songwriting-Camps, das vom 1. bis 7. Juni in Hammelburg stattfand, kamen Musikerinnen und Musiker zusammen, schrieben Songs, produzierten, nahmen auf und arbeiteten mit Coaches aus der deutschen Musikszene. Im Zuge des Camps fand auch ein gemeinsames Konzert statt. Mit Rougir aus Frankreich holten MAINPOP und die Musikinitiative dabei ein besonderes Künstlerduo auf die Bühne. Das Konzert bildete einen der Höhepunkte des Camps, bevor bei der anschließenden Aftershowparty mit den MAINPOP-DJs weitergefeiert wurde.

Willkommene Gäste: Das französische Duo Rougir spielte 2026 im Rahmen des MAINPOP-Songwriting-Camps im Wasserhaus und sorgte dort für einen besonderen internationalen Konzertabend. (Foto: Sebastian Mützel)

Für das Wasserhaus war das mehr als ein weiterer Konzertabend. Hier wurde sichtbar, welches Potenzial entsteht, wenn regionale Infrastruktur und überregionale beziehungsweise internationale Netzwerke ineinandergreifen.

Zugleich zeigte dieser Abend, dass internationale musikalische Begegnungen auch in Hammelburg ihren Anfang nehmen können.

Für Rougir wurde das Wasserhaus zu einer besonderen Station: Nach eigener Aussage spielte das französische Künstlerduo hier erstmals außerhalb Frankreichs. Ein kleiner Schritt über die Landesgrenze, der Lust auf weitere internationale Begegnungen im Wasserhaus macht.

Das Wasserhaus ist bis heute ein lebendiger Treffpunkt für Livemusik, Begegnung und regionale Kultur. (Foto: Sebastian Mützel)

Mehr als ein „Metalbunker“

Und doch begleitet das Wasserhaus bis heute ein Bild, das seiner tatsächlichen Vielfalt kaum noch gerecht wird: das des „Metalbunkers“.

Das Etikett hält sich hartnäckig. Doch wie so manches Bild, das sich über Jahre festsetzt, erzählt auch dieses längst nicht mehr die ganze Geschichte. Hinter den Türen des Wasserhauses ist heute weit mehr zu Hause als Rock und Metal.

Das Wasserhaus ist ein Kulturförderungsort und Vereinsheim. Es stellt damit nicht einfach nur Räume für Veranstaltungen bereit, sondern dient der aktiven Förderung von Musik und Kultur. Im Keller stehen Proberäume zur Verfügung. Im Haus finden Konzerte, DJ-Abende, Workshops und weitere Kulturangebote statt. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Jugendkulturarbeit ein.

Jedes Genre und jede Spielart sind willkommen: Neben Livekonzerten gehören auch Partys und Clubabende fest zum Programm der Musikini. (Foto: Sebastian Mützel)

Die Musikinitiative will jungen Menschen Räume geben, in denen sie Musik machen, Veranstaltungen organisieren, Verantwortung übernehmen und sich ausprobieren können.

Dass diese Arbeit weit über die klassische Rockmusik hinausgeht, zeigt auch die Zusammenarbeit mit der Städtischen Jugendarbeit Hammelburg, mit der die Musikinitiative seit 2026 kooperiert. Die städtische Jugendarbeit betreibt das Jugendzentrum in der Kirchgasse und versteht sich als Anlaufstelle und Treffpunkt für Jugendliche. Dazu kommen Ferienprogramme, Aktionen und Angebote für junge Menschen aus Hammelburg und den Ortsteilen.

Die Zusammenarbeit mit der Städtischen Jugendarbeit stärkt damit einen Bereich, der im Wasserhaus fest verankert ist, und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte.

Beim diesjährigen Frühjahrsmarkt in Hammelburg präsentierte sich die Musikinitiative und machte auf ihre Arbeit rund um Musik, Kultur und Nachwuchsförderung aufmerksam. (Foto: Musikini)

Auch Familienangebote und Kulturveranstaltungen jenseits des klassischen Konzertbetriebs haben ihren Platz im Wasserhaus gefunden. Kinderdiscos gehören ebenso zum Programm wie Veranstaltungen von kulturbunt e.V. Hammelburg. Der Verein ist regelmäßig mit eigenen Formaten im Wasserhaus zu Gast. Diese Vielfalt möchte die Musikinitiative in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Neue Formate und zusätzliche Kooperationen sollen das bestehende Angebot ergänzen und noch mehr Menschen den Weg ins Wasserhaus eröffnen.

Die Richtung ist damit klar: Das Wasserhaus möchte sich weiter öffnen, neue Menschen erreichen und sein kulturelles Angebot ausbauen. Dabei bleibt die Rockmusik ein fester Bestandteil seiner Identität. Ihre Förderung ist im Vereinszweck verankert und war 1986 der Ausgangspunkt für die Gründung der Musikinitiative.

Gerade die Verbindung aus seiner gewachsenen Identität und der Bereitschaft zur Weiterentwicklung soll den Charakter des Wasserhauses auch in Zukunft prägen.

Die legendären X-Mas-Partys im Wasserhaus gehören seit vielen Jahren fest zur Geschichte der Musikinitiative. 2010 gehörte zu den besonderen Höhepunkten. Und das nicht nur wegen der spektakulären Mixed Pickles-Show. (Foto: Dani Red)

Der 12. September wird mehr als ein Konzert

Wenn am 12. September hinter dem Wasserhaus die ersten Gitarren erklingen, treffen dort zehn Bands, vier Jahrzehnte Musikgeschichte und Menschen unterschiedlicher Generationen aufeinander.

Manche werden sich wiedersehen, andere das Wasserhaus vielleicht zum ersten Mal kennenlernen, und auf und vor der Bühne werden jene Momente entstehen, die sich nicht planen lassen und gerade deshalb in Erinnerung bleiben.

Wenn draußen schließlich die letzte Band gespielt hat, ist der Abend noch lange nicht vorbei. Dann übernimmt DJ Robert aus Fuchsstadt und rockt bei der Aftershowparty das Wasserhaus mit Hits aus den 80er-, 90er- und 2000er-Jahren. Aus dem Open Air darf so eine jener langen Nächte werden, von denen man beim nächsten Wiedersehen noch erzählt.

DJ Robert (Foto: Dani Red)

Frischer Anstrich fürs Wasserhaus: Im August 2026 bekam das Zuhause der Musikinitiative auch äußerlich ein neues Gesicht. (Foto: Daniel Bittner)

Möglich wird ein solcher Tag durch viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die später kaum jemand sehen wird. Menschen bauen auf und ab, organisieren, planen, tragen, telefonieren und stehen hinter Theken, auf Bühnen oder überall dort, wo gerade eine helfende Hand gebraucht wird. All diese Arbeit dient einem Ziel: anderen Menschen einen Ort und die Möglichkeit zu geben, gemeinsam etwas zu erleben.

Und vielleicht liegt genau darin die schönste Einladung zu diesem Jubiläum. Wer am 12. September zum Wasserhaus kommt, besucht nicht einfach nur ein Konzert. Für einen Abend wird man Teil dessen, was dort seit Jahrzehnten entsteht: Menschen kommen zusammen, feiern miteinander, treffen alte Freunde wieder und lernen neue kennen.

Ein Tag voller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Von Menschen für Menschen und mit Raum für neue gemeinsame Erinnerungen. Und wer weiß: Vielleicht beginnt am 12. September auch deine ganz eigene Geschichte im Wasserhaus.

Text: Daniel Bittner

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