Plume aus München sind der beste bayerische Newcomer-Act 2026. Für sie geht die Local Heroes-Reise nun weiter: Sie erhalten im Bundesfinale eine individuelle Spitzenförderung. (Foto: Martin Schöffel)
Am 26. Juni hat die Local Heroes Bayern-Familie auf dem „Ab geht die Lutzi“ die fünf besten Newcomer-Acts des Freistaats gefeiert.
Das Local Heroes Bayern-Landesfinale auf dem „Ab geht die Lutzi“ war ein Abend voller Energie, Nähe und musikalischer Vielfalt. Am Ende entschied sich die Jury für Plume aus München. Sie sind „Bayerns bester Newcomer-Act 2026“ und reisen im kommenden September ins Local Heroes-Bundesfinale.
Es gibt Musikabende, die lassen sich nicht allein über Platzierungen erzählen. Natürlich gab es am Ende ein Ergebnis. Plume aus München holten beim Local Heroes Bayern-Landesfinale 2026 den ersten Platz und damit den Einzug ins Bundesfinale. Mit dabei waren außerdem kaulbærk aus Bamberg. Lauraine aus München, Igerl aus Mühldorf am Inn sowie Sven Ormen aus Regensburg, die ebenfalls von sich überzeugen konnten. Laura Glauber alias Lauraine wurde als beste Sängerin ausgezeichnet, Konrad Feldrapp von kaulbærk als bester Instrumentalist. „Die Entscheidung war sehr schwierig“, sagte Jurysprecherin Cosima Sokol später. Schließlich seien fünf Acts am Start gewesen, „die sehr verschieden waren, aber alle das Publikum mitgerissen haben“.
Plume brachten das Zelt mit Heavy Pop, klarer Ästhetik und kompromissloser Live-Energie in Bewegung. Ein Auftritt, der zeigte, warum die Jury sie nach vorne schickte. (Foto: Martin Schöffel)
Und genau das ist der entscheidende Punkt: Dieser 26. Juni in Rottershausen war weit mehr als ein Wettbewerb, für den es oftmals gehalten wird. Denn es war und ist gar keiner! Das betont Local Heroes Bayern seit vielen Jahren. Bei diesem Musikpreis geht es um Begegnung, Förderung, Vernetzung und um echte Live-Erfahrung. Das spürten die diesjährigen Acts von der ersten bis zur letzten Minute. „Musik ist kein Wettbewerb. Es ist ein Miteinander“, brachten es Plume nach ihrem Sieg auf den Punkt. Und auch kaulbærk fanden für diesen Abend ein schönes Bild: Es sei eine echte „Familienfeier“ gewesen.
Das Publikum trug die Newcomer-Nacht von der ersten bis zur letzten Minute mit: offen, neugierig, feierfreudig und bereit, sich auf jeden einzelnen Act einzulassen. (Foto: Dani Red)
In der gut gekühlten Zeltbühne wurde derweil sichtbar, was junge Musik braucht: ein Publikum, das offen ist. Menschen, die nicht erst prüfen, ob sie einen Act schon kennen, sondern sich einlassen. Die zuhören, klatschen, tanzen, springen, mitsingen und mitfühlen. „Dieses Publikum feierte alle fünf Acts. Nicht vorsichtig, nicht abwartend, sondern wunderbar großzügig“, freut sich Nicole Oppelt vom Local Heroes Bayern-Team. „Genau dadurch entstand eine Atmosphäre, in der sich die Künstler wohlfühlen konnten.“ Backstage wurde geredet, gelacht, unterstützt und miteinander gefiebert. „Jeder war einfach voll nett zueinander“, so auch das Fazit von Lauraine über die Stimmung unter den Acts.
Auf der Bühne zeigte sich das gesamte abwechslungsreiche Potenzial. „Sven Ormen eröffnete mit Gefühl, Stimme und Songs, die Verbindung suchen. Lauraine brachte Pop, elektronische Elemente, starke Stimme und stille, nachdenkliche Momente auf die Bühne. kaulbærk verwandelten ihren Indie-Pop in pure Lebensfreude und überraschten mit einer druckvollen, vitalen Live-Performance. Igerl dagegen riss mit deutschsprachigem Pop Punk, Sprüngen, Schweiß, Feature-Gästen und überschäumender Energie den Raum auf“, fasste Dani Straßner vom Local Heroes Bayern-Team die lange Newcomer-Nacht zusammen. Und Plume? „Diese jungen Musiker setzten schließlich mit Heavy Pop, klarer Vision, Moshpits und körperlicher Wucht ein echtes Ausrufezeichen.“ Moderator Felix Abel brachte es noch bildlicher auf den Punkt: „Bei allen Acts habe ich eine unfassbare Energie gefühlt.“
Plume sind nun Teil der Local Heroes Bayern-Familie: Maskottchen Bragi ließ es sich nicht nehmen, sie nochmals persönlich zu empfangen. (Foto: Martin Schöffel)
Sven Ormen: Gefühl zum Auftakt
Den Anfang machte also Sven Ormen. Keine leichte Position. Doch er und seine Band nahmen diesen Moment an. „Der Auftritt hat so unfassbar viel Spaß gemacht“, erzählten sie später. „Es war uns eine Ehre, hier spielen zu dürfen.“ Trotz Müdigkeit, Camping und langer Anfahrt sei es „den ganzen Aufwand und die Autofahrt“ wert gewesen. Für Sven Ormen und seine Band war dieser Auftakt nicht nur ein Slot, sondern ein Moment, der bleiben wird.
Sven Ormen eröffnete das Landesfinale mit Gefühl, Stimme und Songs, die Verbindung suchten und das Publikum gleich zu Beginn in eine eigene Gefühlswelt mitnahmen. (Foto: Martin Schöffel)
Besonders schön war übrigens eine Erfahrung, die schon vor dem eigentlichen Auftritt passierte. Sven Ormen und seine Bandkollegen hatten auf dem Zeltplatz Gitarre und Cajón ausgepackt. Festivalbesucher sprachen sie an, baten um Songs, hörten zu. „Eine junge Frau wusste direkt, wer Sven Ormen ist“, erzählten sie später begeistert. Für einen jungen Act ist genau das ein ganz besonderer Augenblick: Wenn Musik plötzlich nicht mehr nur aus Bewerbung, Proberaum und Vorbereitung besteht, sondern direkt bei Menschen ankommt. Oder wie die Band es selbst formulierte: „Dass komplett fremde Leute sich das schon angehört haben und schon wissen, wer man ist, ist schon sehr cool.“
„Wir finden, man lernt so unglaublich viel auch bei so einem Festival, weil wir oft ein bisschen intimere Konzerte spielen“, sagen Sven Ormen und seine Bandkollegen im Interview. (Foto: Martin Schöffel)
Auch Moderator Felix Abel nahm Svens Set als eigene Gefühlswelt wahr. „Wenn ich eine kleine Reise zum Strand machen würde, würde ich seine Musik anmachen“, sagte er nach dem Abend. Jurysprecherin Cosima Sokol hob unterdessen Svens Gesang und Songwriting besonders hervor. „Wir waren alle Fan von Svens Gesang“, erklärte sie. Er sei „ein mega guter Songwriter“. Das Zusammenspiel mit der Band wachse noch, doch genau darin liege auch eine Zukunft: „Wir können damit rechnen, dass das ziemlich nach oben geht.“
Igerl: Energie, Netzwerk und ein Tag wie ein Traum
Danach wurde es deutlich wilder. Igerl kam auf die Bühne und brachte genau das mit, was er versprochen hatte: Energie, Sprünge, Schweiß, Gesang, Schreierei und Pop Punk mit bayerischer Färbung. Später erzählte er, er habe am Tag zuvor „richtig Panik“ gehabt. Großes Festival, viele Eindrücke, viel Aufregung. Doch dann sei alles gut gelaufen. Ankommen, Betreuung, Bühne, Publikum. Sein Fazit fiel eindeutig aus: „Bestes Festival ever!“ Und seine eigene Show? „Alter, war das geil.“
Im Gespräch mit Local Heroes Bayern ließ Igerl seinen Emotionen freien Lauf. Diesen Abend wird er wohl so schnell nicht vergessen. (Foto: Martin Schöffel)
„Auf der Bühne gab Igerl alles. Zeitweise war er selbst im Moshpit, gegen Ende wurde ihm wegen Hitze und Anstrengung sogar kurz schwarz vor Augen“, berichtet Nicole Oppelt. „Doch genau diese Mischung aus Überforderung, Hingabe und Adrenalin machte seinen Auftritt so unmittelbar.“ Igerl selbst beschrieb den Abend ähnlich atemlos. „Die Leute hatten Bock“, sagte er. „Sind hinten abgegangen, klatschten. Wir hatten einen kleinen Moshpit. Kurze Zeit war ich selber mit drin.“ Das klingt nicht nach Pflichtprogramm, sondern nach Kontrollverlust mit Ansage.
Was für eine schöne Überraschung: Igerl und Moritz performen gemeinsam einen Song im Landesfinale. Nicht nur für die Künstler war das ein unvergesslicher Moment. (Foto: Dani Red)
Zu den Höhepunkten gehörten bei diesem Auftritt aber auch zwei Features. Zunächst kam Moritz Hammrich von den Blackout Problems mit auf die Bühne, der bei „Cure Kassette“ eine Strophe übernahm. „Ich konnte meinen ‚Onkel‘ akquirieren“, erzählte Igerl schmunzelnd über Moritz. Dann kam Brainscha dazu. Mit ihm hatte Igerl bereits 2025 auf der Local Heroes Bayern-Bühne gestanden. Nun wurde der gemeinsame Song „Lass es brennen“ mit Igerls eigener Band gespielt. Genau solche Gesten zeigen, was Local Heroes Bayern meint, wenn von Netzwerk gesprochen wird.
Fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrem ersten gemeinsamen Auftritt in Rottershausen standen Igerl und Brainscha wieder gemeinsam auf der Bühne. (Foto: Dani Red)
Moderator Felix erkannte darin übrigens etwas sehr Grundsätzliches. „Da hat man gleich gesehen, wie unfassbar schön dieses ganze Netzwerk funktioniert“, sagte er. Für ihn zeigte das, „dass dieses familiäre Gefühl immer weitergelebt wird, bei jedem Auftritt, bei jeder Episode, jedes Jahr von Local Heroes Bayern.“
Noch größer wurde dieser Gedanke später auf der Hauptbühne. Die Blackout Problems holten Igerl und Lauraine zu sich. Gemeinsam sangen sie „Rome“. Für Igerl war das einer seiner Lieblingssongs von einer seiner Lieblingsbands. Und das plötzlich vor tausenden Menschen. „Ich musste singen bei Blackout Problems jetzt“, erzählte er noch völlig aufgeladen von diesem Moment. Auf der Bühne habe er dann gemerkt, wie ihm die Tränen kamen. Für Local Heroes Bayern war dieser Gastauftritt fast sinnbildlich: „Nachwuchs bleibt nicht am Rand. Nachwuchs wird Teil eines größeren Zusammenhangs“, betont Nicole Oppelt, die das Ganze von der ersten Reihe aus mitverfolgte.
Für Lauraine und Igerl ging ein echter Traum in Erfüllung. Die Blackout Problems holten die beiden Landesfinalisten kurzerhand auf die Hauptbühne. (Foto: Janis Hinz)
Cosima Sokol lobte unterdessen Igerls Originalität. „Mein Herz schlägt für Pop Punk“, sagte sie. Dass Igerl diesen Sound „auch noch mit bayerischen Texten verbindet“, lasse ihr Niederbayern-Herz „tausendfach höher“ schlagen. Er sei „ein Individuum auf der Bühne“ und könne das Publikum „supergut anheizen“. Auch Igerl selbst verstand diesen Abend auf besondere Weise. „Das kann mir keiner nehmen“, sagte er. „Das ist für mich der erste Platz.“
Lauraine: Stimme, Haltung und stille Kraft
Lauraine setzte anschließend einen anderen Akzent. Ihr Auftritt verband Pop, elektronische Elemente, deutsche Sprache und eine große Stimme. Es gab tanzbare Momente, aber auch stille, nachdenkliche Passagen. „Wir sind heute hierhergekommen, um auf die Bühne zu gehen und für die Leute zu spielen, die vor dieser Bühne standen“, sagte Laura später. Genau darum ging es: nicht nur um Platzierung, sondern um den Moment vor dem Publikum.
Lauraine verband Pop, elektronische Elemente, deutsche Sprache und stille Kraft zu einem Auftritt, der tanzbare Energie und nachdenkliche Momente gleichermaßen zuließ. (Foto: Dani Red)
Nach dem Auftritt beschrieb die Band den Tag als familiär. Das Festival sei toll, das Team ebenso. „Wir sind super versorgt worden, super betreut auf der Bühne, hinter der Bühne, überall sehr schöne Atmosphäre“, sagten sie. Gerade bei großer Hitze und den üblichen Festivalbedingungen ist das nicht nebensächlich. Wenn junge Acts sich sicher und willkommen fühlen, können sie auf der Bühne freier werden.
Lauraine wurde am Ende mit Platz drei ausgezeichnet. Laura Glauber erhielt außerdem den Sonderpreis als beste Sängerin. Für sie selbst war dieser Preis zunächst offenbar noch gar nicht richtig angekommen. „Morgen kommt das dann“, vermutete sie lächelnd. Dass sie Jazzgesang studiert hat und seit vielen Jahren singt, erklärt die technische Grundlage. Die Wirkung auf der Bühne aber entstand aus mehr: aus Stimme, Haltung, Präsenz und Zusammenspiel.
Lauraine und ihre Band glänzten durch musikalisches Zusammenspiel und ihre starke Stimme. Auf dem Landesfinale genossen sie die ausgelassene Stimmung. (Foto: Martin Schöffel)
Cosima Sokol fand dafür klare Worte. „Die Solokünstlerin Lauraine und ihre Band sind einfach perfekte Musiker“, sagte sie. „Sie haben alle gespielt wie eine Eins, gesungen wie eine Eins.“ Besonders die Verbindung zwischen den drei Musikern sei spürbar und die Auszeichnung für Laura als beste Sängerin eine klare Sache gewesen.
Wichtig war auch ein Punkt, den Laura Glauber nach dem Auftritt ansprach. Als einzige Frau in den Top 5 wünschte sie sich mehr junge Künstlerinnen auf solchen Bühnen. „In den Top 20 waren viele Frauen. In den Top 5 waren wir als einzige female-fronted Band“, sagte sie. Das bedauert auch die Local Heroes Bayern-Crew. Denn Förderung bedeutet nicht nur, Talente auszuzeichnen. Es bedeutet auch, hinzuschauen, wer sichtbar wird, wer sich bewirbt und welche Perspektiven noch stärker auf die Bühne gehören.
kaulbærk: Lebensfreude aus Bamberg
Bei kaulbærk wurde es dann hell, warm und lebendig. Das Duo aus Bamberg stand mit Live-Band auf der Bühne und überraschte viele mit einem Sound, der deutlich festivaltauglicher, vitaler und druckvoller wirkte, als man es von den Aufnahmen vielleicht erwartet hätte. „Es war wunderschön. Es hat mega Bock gemacht“, sagten kaulbærk nach dem Auftritt. Es war Indie-Pop, aber nicht zerbrechlich. Es war Gefühl, aber mit Bewegung. Es war Lebensfreude, die sich direkt auf das Publikum übertrug.
kaulbærk machten aus Indie-Pop einen lebendigen Festivalmoment: warm, druckvoll, gemeinschaftlich und getragen von jener Freude, die sofort aufs Publikum übersprang. (Foto: Martin Schöffel)
Zwar sei irgendwann die Puste ausgegangen. Doch genau daraus sei auch ein Loslassen entstanden. „Ganz am Anfang wehrt man sich vielleicht ein bisschen dagegen, dass man schwitzt“, erzählten kaulbærk. „Aber heute war das für uns einfach.“ Diese Haltung konnte man spüren. Nicht gegen die Hitze kämpfen, sondern hinein in den Moment. „Jetzt geht es nur noch ans Genießen und ans Abfeiern“, beschrieben sie den Punkt, an dem alles funktionierte.
Die Band hatte fast alle anderen Acts zumindest kurz gesehen und mit vielen gesprochen. Dabei fiel ein Satz, der gut zu diesem Abend passt: „Jede Person, die da oben stand, hätte auch den ersten Platz verdient.“ Genau so klang und fühlte sich der Abend an. Nicht nach Gegeneinander, sondern nach gegenseitigem Respekt. Über die anderen Acts sagten kaulbærk: „Lauraine hat einfach eine crazy Stimme“, Sven Ormen habe sie mit seiner „weggehauen“, Igerl sei „auf die Fresse, aber schön“, und Plume hätten „crazy quality“.
Neu und doch erfahren: kaulbærk machen in dieser Konstellation erst seit gut einem Jahr Musik. Doch darüber hinaus sind die Musiker allesamt seit Jahren in der Branche aktiv. (Foto: Dani Red)
Besonders eindrücklich war, wie kaulbærk über das Publikum sprachen. Sie fragten sich vorher, ob ihre Songs in einem Festivalsetting funktionieren würden. Ob langsamere Stücke passen. Ob die eigene Kunst angenommen wird. „Wenn man dann mal reinschaut und sieht, die Person da fühlt gerade was, dann ist das auch so ein Gefühl für uns, wo man weiß, das, was wir da machen, gibt Leuten etwas“, erzählten sie. Genau diese Erfahrung, sagten sie, mache Local Heroes möglich. Ihr Rat an junge Künstler war deshalb eindeutig: „Traut euch, nehmt es wahr.“
„Wir sind absolut begeistert von diesem Lutzi-Publikum. Dass unser Musikpreis spannende neue Acts präsentiert, hat sich herumgesprochen und lockt mehr und mehr Menschen in die Zeltbühne“, freut sich Nicole Oppelt. (Foto: Dani Red)
Cosima Sokol bezeichnete kaulbærk als persönliche Überraschung des Abends. „Live erlebe ich sie ganz anders und viel vitaler als auf Spotify“, sagte sie. Dass eine Band, die man vielleicht eher in melancholischen Momenten zu Hause höre, so festivaltauglich sei, habe sie positiv überrascht. Konrad Feldrapp wurde zudem als bester Instrumentalist ausgezeichnet. „Er hat nicht einfach nur Gitarre gespielt, sondern war auch total präsent.“ Für die Jury sei deutlich geworden: Er habe sich eingefügt und sei trotzdem hervorgestochen, „als eine Art zweiter Frontmann“.
Plume: Vision, Moshpit und der Weg ins Bundesfinale
Am Ende setzten Plume den lautesten Punkt des Abends. Heavy Pop aus München, klare Ästhetik, druckvoller Sound, Make-up, Outfits, rote Linie und ein Zelt, das schnell in Bewegung geriet. „Das Publikum hat es uns so leicht gemacht“, sagten Plume später. „Wir geben Energie, sie geben Energie.“ Bei Plume gab es Moshpits: Nicht als Behauptung, sondern als direkte Reaktion des Publikums. Schon früh bewegte sich die Crowd. Bühne und Publikum schaukelten sich gegenseitig hoch.
Die Show von Plume war das Grande Finale eines ohnehin grandiosen Abends: Plume brachten das Zelt ordentlich zum Beben. (Foto: Martin Schöffel)
Nach ihrem Sieg wirkten Plume erschöpft, aufgeheizt, aber unendlich glücklich. „Der Tag war so warm, aber es war so schön“, sagten sie. Zugegeben: Sie seien nicht mit einem Musikpreis-Gedanken gekommen, sondern mit dem Wunsch, einfach eine gute Show zu spielen. Dass sie am Ende gewannen, habe sie selbst überrascht.
Plume wollten mit ihrem Set zeigen, wer sie sind. Optisches Auftreten, stilistische Richtung, High Energy, neue Songs. All das ging auf. „Dass sich beim dritten Song schon komplett die Crowd bewegt, hätte wir nicht erwartet“, sagten sie nach dem Auftritt. Sie wollten auf der Bühne Herz und Seele lassen. Denn dann entstehe das „meiste Gefühl“. Und genau das war an diesem Abend zu spüren.
„Die Bühne ist unser Zuhause, hier können wir wirklich wir sein“, erzählen Plume im Interview. (Foto: Martin Schöffel)
Für Cosima Sokol und ihre Jury-Kollegen war Plume der Act mit der klarsten Kontur. „Bei Plume erkennt man ganz klar eine Vision“, sagte sie. Man wisse, wohin die Band wolle, wer sie sei und wie sie klingen wolle. „Performance, Erscheinung, da passt einfach alles zusammen.“ Genau das sei auf Bundesebene wichtig: „Dass man einen Eindruck davon hinterlässt, wer man ist und wer man sein will.“
Auch Felix Abel konnte den Sieg nachvollziehen. Er sprach von einem Sound, der im positiven Sinne „auf die Fresse“ gehe. „Federleicht ist dieser Sound überhaupt nicht“, sagte er über Plume. Die Band habe als Einheit funktioniert. Gerade auf Festivals brauche es Musik, „die wirklich zu einem Moshpit animiert, ohne dass man es sagen muss“. Sein Fazit: „Die Leute sind ausgeflippt.“
Fünf Acts, fünf starke Eindrücke
Jurysprecherin Cosima Sokol und ihre Kollegen hatten an diesem Abend keine leichte Aufgabe. Die Bookerin des JUKUU Festivals, ehemalige Netzwerkkoordinatorin von Local Heroes Deutschland und ehemalige Projektmanagerin beim Verband für Popkultur in Bayern e. V. (VPBy), sprach von „der Crème de la Crème der bayerischen Musikszene“. Die fünf Acts seien sehr verschieden gewesen, hätten aber alle „das Publikum mitgerissen“. Die Entscheidung sei daher wirklich schwierig gewesen. Das ist wichtig, weil die Platzierungen nicht erzählen, dass ein Act gut und ein anderer schlecht war. Sie erzählen von Nuancen, Profilen, Live-Momenten und davon, welcher Act in diesem Jahr besonders stark ins Bundesfinale passt.
Die Jury 2026 hörte genau hin: Jojo Schulz, Tina Schäfer, Christof Hirt, Cosima Sokol und Erwin Oppelt bewerteten die Acts aus Perspektiven von Booking, Bühne, Technik, Stimme, Kulturarbeit und Nachwuchsförderung. (Foto: Martin Schöffel)
Mit ihr hörten Jojo Schulz, Musiker, Kulturförderer und ehemaliger Inhaber der Posthalle Würzburg, Erwin Oppelt, Tontechniker, Tina Schäfer, Sängerin und aktiv in der Musikinitiative Hammelburg, sowie Christof Hirt genau hin. Hirt ist Musiker, Gründungsmitglied der Musikinitiative Hammelburg e. V. und ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e. V., heute besser bekannt als Verband für Popkultur in Bayern e. V. (VPBy). Damit stand auch 2026 wieder eine Jury vor der Bühne, die junge Musik aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtete. Schön fand die Jury übrigens, dass auch die Acts aus unterschiedlichen Ecken kamen. Genau diese regionale und musikalische Spannweite macht die Qualität von Local Heroes Bayern aus.
Eine Verbindung mit langer Geschichte
Dass neben Christof Hirt in diesem Jahr erstmals auch Tina Schäfer Teil der Jury war, erzählte zugleich von einer Verbindung, die 2026 noch einmal intensiver gelebt wurde: Local Heroes Bayern und die Musikinitiative Hammelburg e. V. sind im Rahmen des Landesfinales enger zusammengerückt. Hirt gehört zu den Gründungsmitgliedern der Musikini, Schäfer ist ebenfalls langjähriges Mitglied des Vereins. Damit bündelte sich nicht nur musikalische Expertise, sondern auch viel Erfahrung aus jahrzehntelanger regionaler Kulturarbeit.
Local Heroes Bayern-Maskottchen Bragi und Daniel von der Musikini Hammelburg präsentieren auf der Bühne das, was nun wieder stärker zusammenwachsen soll. (Foto: Martin Schöffel)
Auch hinter den Kulissen unterstützten Mitglieder der Musikini das Landesfinale intensiv. Einer übernahm sogar den Social-Media-Kanal von Local Heroes Bayern und versorgte die Follower mit regelmäßigen Updates zum Landesfinale. So wurde sichtbar, wie sehr dieser Abend auch von Menschen lebte, die nicht im Rampenlicht standen, aber entscheidend dazu beitrugen, dass junge Musik gut begleitet wurde.
Mit ihnen lebte zugleich eine Zusammenarbeit wieder auf, die schon weit vor dem „Ab geht die Lutzi“ und Local Heroes Bayern bestand. Auch Nicole Oppelt und Dani Straßner sind langjährige Mitglieder der Musikinitiative Hammelburg e. V. und waren über Jahre hinweg sogar in der Vorstandschaft aktiv. Dass diese alten Bande ausgerechnet 2026 wieder so spürbar wurden, passte wunderbar ins Bild. Denn die Kollegen der Musikini hatten auch eine schöne Nachricht mitgebracht: Die Musikinitiative Hammelburg e. V. feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Am 12. September lädt der Verein zum großen Open Air auf dem Gelände hinter dem Wasserhaus in Hammelburg ein. Ein Jubiläum, das noch einmal deutlich macht, wie lange in Hammelburg und Umgebung bereits an jener Basis gearbeitet wird, ohne die junge Musik kaum wachsen könnte: Proberäume, Bühnen, Netzwerke, Begegnungen und Menschen, die nicht nur über Nachwuchsförderung sprechen, sondern sie seit Jahrzehnten leben.
Bei ihnen stehen Newcomer an erster Stelle: Das Team von Local Heroes Bayern, die Musikini Hammelburg und ihre Unterstützer ziehen an einem Strang. (Foto: Martin Schöffel)
Moderator mit eigener Local Heroes-Geschichte
Eine besondere Rolle spielte auch Felix Abel alias Parabelflug. 2025 war er selbst Teilnehmer, belegte den zweiten Platz und wurde als bester Sänger ausgezeichnet. 2026 kehrte er zurück. „Als Moderator heute da gewesen zu sein, war wirklich ganz wunderbar“, sagte er. Dieser Perspektivwechsel passte perfekt zu diesem Abend. Felix wusste, wie es sich anfühlt, dort zu stehen. Er kannte das Herzrasen, die Anspannung, die Unsicherheit und die Freude. Im vergangenen Jahr habe er vor der Entscheidung „so ein Herzrasen gehabt“, erzählte er.
Als Host wollte er den Raum öffnen. „Ich liebe es, die Bühne für Leute schmackhaft zu machen“, sagte er. Gute Stimmung schaffen, die Menschen heiß machen und damit den Acts ermöglichen, sich frei zu entfalten. Genau das gelang ihm. Er führte nicht distanziert durch den Abend, sondern mit Wärme, Humor und spürbarer Nähe zu den Musikern.
Moderator Felix war beim Landesfinale ganz in seinem Element: Immer wieder schaffte er es, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. (Foto: Dani Red)
Musikalisch erlebte Felix einen sehr vielseitigen Abend. Deutschsprachige Musik, rockige und englischsprachige Sachen, sogar Sounds an der Grenze zu Metal. „Bei allen Acts habe ich eine unfassbare Energie gefühlt“, sagte er. Sie hätten sich nicht aus Spaß beworben, sondern durchgesetzt und auf dieser Bühne alles gegeben.
Blackout Problems: Nachwuchs braucht Orte wie die Lutzi
Einen wichtigen Blick von außen und zugleich von innen lieferten die Blackout Problems. Die Band sprach mit dem Team von Local Heroes Bayern ausführlich über die Bedeutung von Nachwuchsförderung, kleinen Festivals, Netzwerken und Ehrenamt. „Solche Orte sind maximal wichtig für Nachwuchs, Bands, Künstlerinnen“, betonten sie nachdrücklich. Ohne Ehrenamt hätten viele junge Bands und Künstler keine Chance auf Festival-Slots. Genau deshalb seien Festivals, die junge Acts fördern, so wichtig.
„Ohne Ehrenamt finden junge Bands und Künstlerinnen meistens keinen Slot auf Festivals“, betonen die Blackout Problems. (Foto: Martin Schöffel)
Für die Blackout Problems hat auch die „Lutzi“ selbst dabei eine besondere Rolle. Dass es auf einem etablierten Festival gezielt einen Platz für neue Talente gibt, sei ein großer Punkt. Hier werde nicht nur auf das zurückgegriffen, „was schon da ist“, sondern neuer Kultur die Möglichkeit gegeben, „zu gedeihen und zu wachsen“. „Hut ab, vor allen Lutzi-MitarbeiterInnen.“
Die Musiker wissen aus eigener Erfahrung, wie entscheidend solche Bühnen sein können. „Uns hat man auch eine Bühne gegeben“, erzählen sie. Solche Orte geben Erfahrung, Sichtbarkeit und Mut. Sie ermöglichen es jungen Acts, sich auszuprobieren und Menschen zu erreichen. Die Blackout Problems erinnerten daran, dass sie selbst als Kumpels angefangen hätten, Musik zu machen, von Slot zu Slot gereist seien und dabei viele Bands kennengelernt hätten. Genau dieser Weg beginne oft klein. Gleichzeitig verwiesen sie auf die Situation der Nachwuchsszene. Es gebe überall in Deutschland unfassbar gute Newcomer-Bands. In Bayern brauche es jedoch Proberäume, Bühnen und Menschen, die sich kleine Konzerte anschauen. „Das heißt, es braucht auch Leute, die auf die Konzerte gehen, also nicht nur auf Riesenkonzerte“, sagten sie. Wer kleine Bar-Gigs oder neue Bands auschecke, könne „echt tolle Sachen entdecken.“
Nachwuchsmusiker trifft echten Profi: Bei Local Heroes Bayern spielten sich wunderbare Szenen ab. Wie hier zwischen Brainscha und Moritz Hammrich von den Blackout Problems. (Foto: Dani Red)
Auch Netzwerke wie Local Heroes seien für junge Acts extrem wichtig. Die erfahrenen Musiker erinnerten daran, dass sie selbst früher auf Communities, Contests und Netzwerke zurückgegriffen haben. Solche Strukturen seien Orte, „um stattzufinden und um uns auszuprobieren, um neue Leute zu erreichen“. Gerade am Anfang sei Feedback enorm wertvoll. Dass Local Heroes direkten Zugang zu Austausch und Kontakten ermögliche, sei „der absolute Wahnsinn.“
Ihr Rat an den Nachwuchs war daher klar: spielen, spielen, spielen. „Es ändert sich nie“, so die Blackout Problems. Gleichzeitig sei es heute schwieriger geworden, weil Social Media, Streams und Likes viel Druck erzeugten. Und trotzdem: „Eure Musik ist sau viel wert, ihr müsst sie raushauen, veröffentlicht Musik, spielt Musik und werdet gesehen.“ Und weil dieser Abend trotz aller Ernsthaftigkeit nie ohne Augenzwinkern auskam, gab es noch einen Wunsch hinterher: „Bring back Musik-Videos.“
Moritz Hammrich hat die Zeit hinter den Kulissen von Local Heroes Bayern sichtlich genossen. „Moritz schenkte uns und allen Acts einen nicht unerheblichen Teil seiner Zeit. Für so viel Support sind wir unendlich dankbar. Das ist nicht selbstverständlich “, freut sich Dani Straßner. (Foto: Dani Red)
Ein Abend, der bleibt
Am Ende standen Plume ganz oben auf dem Treppchen. Doch die eigentliche Bilanz dieses Abends ist deutlich größer. Local Heroes Bayern zeigte auf dem „Ab geht die Lutzi“, wie Nachwuchsförderung aussehen kann, wenn sie nicht kühl verwaltet wird. Sie klingt nach Moshpit und leisen Momenten. Nach Schweiß und Umarmung. Nach Pop Punk, Heavy Pop, Indie-Pop, elektronischen Sounds und Singer-Songwriter-Gefühl. Nach Jurygesprächen, Feature-Gästen, Hauptbühnenmomenten und einem Publikum, das jeden Act willkommen heißt. „Wir sind jetzt Teil der Local Heroes-Familie“, wurde an diesem Abend mehrfach gesagt. Und genau so fühlte es sich an.
So sehen glückliche Musiker und ihre Unterstützer aus: Im Rahmen des Landesfinales kamen die diesjährigen Landesfinalisten nicht nur mit Local Heroes Bayern, sondern auch mit echten Profis, den Blackout Problems, zusammen. (Foto: Martin Schöffel)
Eine Familie, die junge Musik ernst nimmt. Die Türen öffnet. Die Netzwerke weitergibt. Die sagt: Traut euch. Bewerbt euch. Spielt. Werdet sichtbar. Nutzt Kontakte. Feiert euch gegenseitig. Igerl brachte diesen Gedanken besonders deutlich auf den Punkt: „Wir machen hier verdammt nochmal eine Leidenschaft, das ist Kunst.“ Sein Aufruf an andere Künstler passte perfekt zu diesem Abend: „Neid hat da gar keinen Platz.“
Rottershausen war an diesem 26. Juni genau der richtige Ort dafür. Nicht, weil dort alles perfekt inszeniert gewesen wäre. Sondern weil dort etwas spürbar wurde, das sich nicht einfach buchen lässt: Vertrauen, Begeisterung und der gemeinsame Glaube daran, dass junge Musik Bühne verdient. Oder wie kaulbærk es nach ihrem Auftritt sagten: „Man lernt erst, wenn man es macht.“
Text: Nicole Oppelt
1. Platz: Plume (Foto: Martin Schöffel)
2. Platz: kaulbaerk (Foto: Martin Schöffel)
3. Platz: Lauraine (Foto: Martin Schöffel)
Beste:r Instrumentalist:in: Konrad Feldrapp - kaulbærk (Foto: Martin Schöffel)
Beste:r Sänger:in: Lauraine (Foto: Dani Red)
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Übersicht Preise (Gesamtwert über 4200 Euro):
1. Platz: Plume
• Teilnahme am Local Heroes-Bundesfinale 2026
• 300 Euro (UVP) Warengutschein für Kabel gestiftet von Cordial
• 500 Euro Merchandise Gutschein gestiftet von Stolz Bauunternehmen + pixelagenten
• 500 Euro (UVP) Warengutschein gestiftet von König & Meyer
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2. Platz: kaulbærk
• 500 Euro Merchandise Gutschein gestiftet von Stolz Bauunternehmen + pixelagenten
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3. Platz: Lauraine
• 500 Euro (UVP) Warengutschein gestiftet von König & Meyer
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Igerl + Sven Ormen
• je 250 Euro (UVP) Warengutschein gestiftet von König & Meyer
• je 100 Euro Tankgutschein gestiftet von Jojo Schulz (Kulturförderer und ehemaliger Inhaber der Posthalle Würzburg)
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Sonderpreis 1: Laura Glauber (Lauraine)a
Mikrophon im Wert von ca. 100 Euro für „Beste:r Sänger:in“ gestiftet von NadelNESt
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Sonderpreis 2: Konrad Feldrapp (kaulbærk)
Metronom im Wert von ca. 100 Euro für „Beste:r Instrumentalist:in“ gestiftet von NadelNESt
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Preis für alle Teilnehmer:
• Paket/Bundle von Cordial: bestehend aus sehr hochwertigen Cordial Kabeln inkl. Rucksack im Wert von jeweils ca. 200 Euro (UVP).
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Local Heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das Local Heroes Bayern-Team von
König & Meyer,
Cordial GmbH,
pixelagenten (Werbeagentur),
STOLZ Bauunternehmen (Hammelburg),
Nadel NESt (Tattoo & Piercing), Jojo Schulz und natürlich dem
Ab geht die Lutzi-Festival. Ohne diejenigen, die an Local Heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.
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