Local Heroes Bayern 2026: kaulbærk – zwischen Roadtrip-Gefühlen und echtem Ankommen
Für kaulbærk steht die gemeinsame Haltung über allem: „Musik aus Liebe zur Sache machen und nicht, um unsere Egos in den Vordergrund zu stellen.“ (Foto: Pressematerial)
Am 26. Juni steigt das Local Heroes Bayern-Landesfinale auf dem „ab geht die Lutzi“. Mit kaulbærk aus Bamberg steht ein Duo auf der Bühne, das Indie-Pop als Zustand begreift. Sie bewegen sich zwischen Aufbruch, Zweifel und dem Wunsch, Menschen nicht mit Antworten, sondern mit Gefühl zu erreichen.Zwei Stimmen, ein gemeinsamer Raum und eine Idee, die nie als Plan gedacht war. kaulbærk erzählen ihre Geschichte nicht als klassischen Werdegang, sondern als etwas, das sich ergeben hat. Und genau darin liegt ihre besondere Qualität. Im Gespräch mit Local Heroes Bayern beginnen sie ganz am Anfang. Selbst ihr Bandname folgt keiner großen künstlerischen Erzählung, sondern einem konkreten Ort. „Unser Bandname ist tatsächlich ganz pragmatisch entstanden: Er ist nach der Straße benannt, in der wir unsere Musik schreiben und aufnehmen“, erzählen sie. Eine pragmatische Entscheidung, die sich richtig angefühlt hat und deshalb geblieben ist. „Irgendwie hat sich das einfach richtig angefühlt und ist dann auch so geblieben.“ Dieses „Es passt einfach“ zieht sich durch viele ihrer Antworten und ist einfach wohltuend.
Trotz Musikpreis-Atmosphäre in Rottershausen bleibt der Fokus klar: „Für uns steht im Vordergrund, eine gute Zeit zu haben und dem Publikum eine gute Zeit zu bereiten.“ (Foto: Tom Kieslich)
Aus einem Versuch wurde ein Projekt...
Auch ihr Einstieg in die Musik war alles andere als strategisch. Die beiden kannten sich gut, verstanden sich schnell und beschlossen irgendwann, gemeinsam einen Song zu machen. „…zunächst ganz ohne große Ambitionen, einfach aus Spaß an der Freude.“ Ohne Erwartungen, ohne Ziel. Erst als dieser Song fertig war und beide merkten, dass sie das Ergebnis wirklich überzeugt, entstand der nächste Schritt. Ihr Entschluss: „Daraus machen wir ein richtiges Projekt.“
Diese Haltung prägt bis heute ihr Arbeiten. Musik entsteht bei kaulbærk nicht aus Druck oder Kalkül, sondern aus Momenten heraus. Auf die Frage nach ihrem Lieblingssong weichen sie deshalb zunächst aus. „Die diplomatische Antwort lautet: Es ist immer der Song, an dem wir gerade arbeiten.“ Gleichzeitig zeigen ihre Antworten, wie persönlich einzelne Stücke für sie sind. Simon hebt „dreaming“ hervor, vor allem wegen der Energie und eines Drumbeats, „in den habe ich mich sofort verliebt.“ Konner nennt „i move“, weil „mit diesem Song das ganze Ding überhaupt erst begonnen hat.“
Bühne ist wie nach Hause kommen
Der zentrale Ort für diese Musik ist die Bühne. Ihre Beschreibung wirkt dabei fast überraschend klar. „Es fühlt sich ein bisschen an wie nach Hause kommen.“ Ein Satz, der viel darüber sagt, wie sehr sie ihre Musik nicht nur als Ausdruck, sondern als Raum begreifen.
Der Moment, als sie von ihrem Einzug ins Local Heroes Bayern Landesfinale erfahren haben, fügt sich nahtlos in diese Erzählung ein. Beide sind bei der Arbeit, einer entdeckt die Nachricht früher: „Kurz danach ist unser WhatsApp-Chat komplett explodiert – es war einfach pure Freude.“ Statt weiter an Songs zu arbeiten, gehen sie in die Stadt und „… haben das Ganze mit dem einem oder anderem Bierchen gefeiert.“ Seit ihrer Bewerbung hat sich ihr Alltag verändert, aber nicht ihre Haltung. Mehr Gigs, mehr Möglichkeiten, aber vor allem mehr Motivation. „Schließlich will ein 45-Minuten-Set auch gefüllt werden.“ Wachstum wird hier nicht als Druck formuliert, sondern als natürliche Folge dessen, was ohnehin passiert.
Der Weg ist für sie das Ziel: „Wir möchten uns als Künstler weiterentwickeln und unsere Musik weiter formen. Wir fühlen uns mit dem, was wir gerade tun, musikalisch und künstlerisch angekommen und glauben, dass wir mit kaulbærk noch einen sehr spannenden Weg vor uns haben.“ (Foto: Pressematerial)
Local Heroes Bayern als Ort der Begegnung
Ihre Entscheidung für Local Heroes Bayern begründen sie entsprechend nüchtern. Es gehe darum, ihre Musik mehr Menschen zugänglich zu machen. Gleichzeitig sehen sie das Format als Ort der Begegnung. Andere Acts kennenlernen, Erfahrungen sammeln, vielleicht neue Fans gewinnen. „Im besten Fall emotional, im zweitbesten Fall zumindest mit einem Ohrwurm auf dem Heimweg.“ Und wenn sich daraus mehr ergibt, nehmen sie das gerne mit.
Auffällig ist dabei ihr Umgang mit dem Thema Musikpreis. Während viele Acts von Druck sprechen, relativieren kaulbærk diese Perspektive. Natürlich sei die Situation besonders, aber im Vordergrund stehe etwas anderes. Eine gute Zeit haben. Dem Publikum eine gute Zeit geben. Dass alle anderen Acts ebenfalls stark sind, wird nicht als „Bedrohung“, sondern als Selbstverständlichkeit beschrieben. Auch ihre Erfahrungen mit anderen Formaten fließen in diese Haltung ein. Sie kennen Contests, wissen um ihre Stärken und Schwächen. Was sie an Local Heroes Bayern schätzen, ist die Fokussierung auf die Musik selbst. „Es geht hier nicht einfach nur darum, möglichst viele Tickets zu verkaufen – die Musik steht im Vordergrund.“ Sie sprechen von Wertschätzung für das, was sie tun.
Aufbruch, Zweifel und das Chaos dazwischen
Wie sie ihre eigene Musik beschreiben, gehört zu den prägnantesten Momenten des Gesprächs. „Wir schreiben Indie-Pop über das Unterwegssein – im Kopf und im Leben. Unsere Songs fühlen sich manchmal an wie der Soundtrack zu einem Roadtrip, den man eigentlich längst mal hätte machen sollen.“ Es geht um Aufbruch, Zweifel und das Chaos dazwischen. „Antworten haben wir dabei nicht unbedingt – aber vielleicht ein paar der richtigen Fragen.“ Genau hier wird deutlich, warum kaulbærk auffallen. Sie formulieren keine Botschaften, sondern Zustände. Ihre Musik will nicht erklären, sondern begleiten. Dass sie beim Landesfinale auch neue, teilweise unveröffentlichte Songs spielen wollen, passt zu diesem Ansatz. Es ist ein bewusstes Risiko. Live-Premieren bringen Unsicherheit mit sich, gleichzeitig aber auch eine besondere Energie. Diese Mischung aus Nervosität und Vorfreude nehmen sie an.
„Was uns bei Local Heroes besonders gefällt, ist die Fachjury, die versucht, die Acts nach klaren Kriterien zu bewerten“, freut sich das Duo über die objektive Auswahl der Teilnehmer. (Foto: Tom Kieslich)
Erfolg wird nicht über Zahlen definiert
Auch über ihre Position innerhalb der Szene in ihrer Heimatstadt sprechen sie offen. „Das ist in Bezug auf Subkultur tatsächlich nicht immer das einfachste Pflaster.“ Gleichzeitig betonen sie die Stärke kleiner Strukturen. Dennoch war für sie von Anfang an klar, dass ihre Musik über diese Grenzen hinausgehen soll. Langfristig denken kaulbærk bewusst anders als viele Newcomer. Erfolg wird nicht über Zahlen definiert. „Wir möchten uns nicht über Followerzahlen, Geld oder Auszeichnungen definieren.“ Entscheidend ist etwas anderes. „Dass wir auch in ein paar Jahren unsere Songs hören und sagen können: Das ist genau die Musik, auf die wir damals Lust hatten – und die wir immer noch lieben.“
Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang miteinander. Sie sprechen nicht von Rollen oder Hierarchien, sondern von einem gemeinsamen Prinzip. „Serve the song.“ Am Ende bleibt der Eindruck eines Duos, das sich nicht über große Gesten definiert, sondern über Konsequenz im Kleinen. kaulbærk wirken nicht wie ein fertiges Produkt, sondern wie ein Prozess, der sich gerade entfaltet. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man ihnen zuhört und natürlich auch beim Local Heroes Bayern-Landesfinale zuhören sollte.
Text: Nicole Oppelt
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Local Heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das Local Heroes Bayern-Team von König & Meyer, Cordial GmbH, pixelagenten (Werbeagentur), STOLZ Bauunternehmen (Hammelburg), Nadel NESt (Tattoo & Piercing), Posthalle Würzburg und natürlich dem Ab geht die Lutzi-Festival. Ohne diejenigen, die an Local Heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.
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