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Local Heroes Bayern 2026: Igerl – zwischen Sinnsuche, Pop-Punk und 110 Prozent Bühne

Trotz wachsender Professionalität bleibt seine Haltung klar: Große Gagen und Reichweite sind für Igerl nie der Grund, Musik zu machen. (Foto: Paul Ambrusch)

Am 26. Juni steigt das Local Heroes Bayern-Landesfinale auf dem „ab geht die Lutzi“. Mit Igerl steht ein Künstler auf der Bühne, der seine Songs zwischen Energie, Selbstzweifel und Aufbruch verortet – und genau daraus eine unmittelbare, mitreißende Live-Dynamik entwickelt.

Er steht im Landesfinale eines der wichtigsten Nachwuchsformate Deutschlands und bringt dabei eine klare Haltung auf die Bühne. Doch wer ist Igerl eigentlich jenseits von Gitarren, Energie und Pop-Punk-Attitüde? Wer sich mit dem jungen Künstler beschäftigt, merkt schnell: Hinter dem Projekt steckt kein kalkulierter Karriereplan, sondern eine konsequent gelebte Entwicklung. Igerl, der bürgerlich Jonas Igerl heißt, macht aus seinem Namen kein Geheimnis. „Es ist mein Nachname“, sagt er nüchtern – und setzt damit bereits den Ton für vieles, was folgt: direkt, ungekünstelt, ohne Inszenierung.

Schon 2025 standen Igerl und Brainscha gemeinsam beim Local Heroes Bayern Landesfinale auf der Bühne – nun kehrt er als Top-5-Act zurück. (Foto: Marina Zeiler)

Jahre zwischen Gitarre, Poetry Slams und ersten Bühnenmomenten

Der Weg zur Musik begann vergleichsweise spät. Mit etwa 16 Jahren entdeckte er Punk Rock und verwandte Genres für sich. Was zunächst als Versuch begann, Anschluss zu finden, entwickelte sich schnell zu einem eigenen Ausdruck. „Ich dachte, das wäre mein Weg, eine Art Zugehörigkeit […] zu erlangen“, erinnert er sich. Die erste Band zerbrach früh, doch der Impuls blieb. Es folgten Jahre zwischen Gitarre, Poetry Slams und ersten Bühnenmomenten, bevor er schließlich begann, unter dem Namen Igerl eigene Fullband-Musik zu veröffentlichen.

Heute beschreibt er seine Motivation weniger über Erfolg als über Sinn. Musik, Shows, Social Media und das gesamte Drumherum seien für ihn mehr als ein Berufsziel. „Der Sinn ist mir so viel mehr wert, als dass ich davon leben kann“, betont er nachdrücklich.

Ekstase-Momente auf der Bühne

Diese Haltung spiegelt sich auch auf der Bühne wider. Dort geht es nicht um Perfektion, sondern um Energie. Heute, ohne Gitarre, sei es „anstrengend“, sagt er, weil er permanent in Bewegung ist. Doch nach wenigen Songs kippt der Zustand in etwas anderes. „Ab Song fünf bis sechs fällt man in eine Ekstase, in der Overthinking, Stress und Ausdauerprobleme keine Rolle mehr spielen.“

Ein zentraler Song in seinem Repertoire ist „Traurige Lieder“. Für ihn markiert er einen persönlichen Wendepunkt. „Der hat ein neues Kapitel in meinem Leben eingeleitet“, erklärt er. Gleichzeitig bringe er seine Musik auf den Punkt: schnell, laut, ein bisschen traurig, aber am Ende mit einem guten Gefühl.

Sein Song „Traurige Lieder“ bringt für Igerl den eigenen Sound auf den Punkt: schnell, laut, ein bisschen traurig – aber am Ende mit guter Laune. (Foto: Paul Ambrusch)

Landesfinale löst „Happiness-Attacke“ aus

Der Moment, in dem er von seiner Teilnahme am Local Heroes Bayern-Landesfinale erfuhr, war entsprechend emotional. Er beschreibt eine spontane „Happiness-Attacke“, ausgelöst durch einen Social-Media-Post des Local Heroes Bayern-Teams, in dem er markiert wurde.

Seit seiner Bewerbung hat sich übrigens einiges getan. Neue Shows, ein Album mit dem Titel „Anfang 20“ und weitere Festivalauftritte prägen das aktuelle Jahr. Gleichzeitig wächst der Anspruch an sich selbst. Technische Weiterentwicklungen im Live-Setup versteht er nicht als Entlastung, sondern als Verpflichtung. „Ich sehe das als Verpflichtung […] unsere Live-Show auf ein Level […] zu bringen, welche ich seit meiner Jugend vergöttere.“

Druck ist für ihn dabei kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Prozesses. Inspiration zieht er aus Vorbildern, aber auch aus konkreten Live-Erlebnissen. Wenn Bands mit jahrzehntelanger Erfahrung noch immer alles geben – wie etwa die Donots auf dem „ab geht die Lutzi“ 2025 – dann sei das für ihn Maßstab genug.

Vom Gast-Auftritt zum Landesfinalist

Seine Entscheidung, sich bei Local Heroes Bayern zu bewerben, entstand aus einem direkten Erlebnis heraus. Nachdem er 2025 als Gast mit Landesfinalist Brainscha auf der Bühne stand, wurde ihm mehrfach geraten, selbst teilzunehmen. „Ich habe es bis jetzt nicht bereut“, sagt er.

Was das Publikum im Landesfinale erwartet, formuliert er klar. „110 Prozent Energie, viel Gespringe, viel Schreierei und Gesang und paar schlechte Witze.“ Entscheidend sei für ihn, dass sich der Besuch lohnt.

Trotz aller Ambitionen bleibt der Blick auf die eigene Entwicklung realistisch. Er spricht offen darüber, dass er viel Zeit und Arbeit in sein Projekt investiert und darin einen kontinuierlichen Prozess sieht. Auch deshalb reizt ihn die Perspektive eines möglichen Bundesfinales, im Zuge dessen ein intensives, individuelles und vor allem professionelles Coaching stattfindet.

Interessant ist auch sein Blick auf die Szene. Vernetzung entsteht für ihn nicht nur über klassische Wege, sondern oft über Eigeninitiative und ungewöhnliche Ideen. Social Media spielt dabei eine zentrale Rolle, etwa wenn Kontakte durch kreative Ansprache entstehen. Für die kommenden Jahre plant er parallel zur Musik einen neuen Lebensabschnitt. Gemeinsam mit seinem Bruder will er eine Bar eröffnen. Die Musik soll bleiben, auch wenn sie zeitweise weniger Raum einnimmt. „Diese Bar ist der Start eines neuen Kapitels, aber sicher nicht der Abschied des Alten.“

Für den Auftritt beim Landesfinale hält er sich bewusst Optionen offen: „Ich hab noch keinen Plan“, schmunzelt er vielsagend, kündigt aber schon jetzt mögliche Feature-Gäste an. (Foto: Marina Zeiler)

Weniger Inszenierung – mehr Haltung

Was ihn antreibt, lässt sich am Ende auf eine einfache Formel bringen. Zahlen und äußere Erfolge sind für ihn nicht entscheidend. „Ich sehe einen Sinn in den Dingen, die ich mache und nicht ein Ergebnis, das man in Zahlen bemessen kann.“ Igerl gehört damit zu einer Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die weniger über Inszenierung als über Haltung funktionieren. Seine Platzierung in den Top 5 von Local Heroes Bayern 2026 ist deshalb mehr als nur ein Erfolg im Rahmen eines Musikpreises. Sie markiert einen Moment, in dem sich konsequente Eigenständigkeit und künstlerische Entwicklung sichtbar verdichten.

Text: Nicole Oppelt

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Local Heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das Local Heroes Bayern-Team von König & Meyer, Cordial GmbH, pixelagenten (Werbeagentur), STOLZ Bauunternehmen (Hammelburg), Nadel NESt (Tattoo & Piercing), Posthalle Würzburg und natürlich dem Ab geht die Lutzi-Festival. Ohne diejenigen, die an Local Heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.

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