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Meeting mit den „Un-Rockstars“

Die „Donots“ haben das „... und ab geht die Lutzi“-Festival 2016 zum Beben gebracht. Im Gespräch mit uns geben sie sich „handzahm“ - aber mit Pfiff.

Donots (Foto: Pressematerial)

Schon Monate vor ihrem Auftritt schlug der Puls der Rottershäuser Party-Crew merklich höher. Niemand Geringeres, als die „Donots“ höchstpersönlich sollten die Headliner des siebten „Lutzi“-Festivals sein. Nicht nur für die Organisatoren erfüllte sich damit ein echter Traum. Wir haben die Kultband vor ihrem Auftritt am späten Samstagabend getroffen. In gemütlicher Runde berichteten sie uns von ihren ersten „Lutzi“-Eindrücken, warum sie seit einem Jahr auch Musik mit deutschen Texten machen und was sie überhaupt vom „Rockstar-Dasein“ halten.

Ihr habt gerade einen krassen Szenenwechsel hinter Euch. Letztes Wochenende „Rock am Ring“. Jetzt seid Ihr hier auf einem ungleich kleinerem Event. Warum sind es Eurer Ansicht nach aber genau jene Veranstaltungen, die von Ehrenamtlichen binnen Jahren aus dem Boden gestampft werden, die so unentbehrlich für unsere Musiklandschaft sind.

Ingo: Total! Heute war es so. Jeder ist einzeln aus dem Bus raus gekommen und ich habe immer gehört, wenn die dann reinkamen zum Essen: „Wow ist das geil hier!“ Total schön gemacht, man merkt, alle sind am Start, alle haben Spaß dabei. Und man spürt dann wirklich, was für ein „Vibe“ über so einem Gelände liegt. Und das ist schon mega geil.

Guido: Und das ist gerade schön. Das hier ist schon im positiven Sinne „zusammengenagelt“. Hier eine kleine Hütte, da noch was. Am Ring ist das alles höchst professionell mit dem entsprechenden Gefühl. Hier ist alles irgendwie wärmer und echter.

J.D.: Das sind ja auch zwei verschiedene paar Schuhe, aber zu jeder Gelegenheit passen die halt. Ich finde so etwas total geil. Das ist ein super Gelände. Hier sieht alles total nett aus, alles ist mit Liebe gemacht. Das sieht man auch an den Kleinigkeiten. Und trotzdem ist es professionell. Die Bühne ist geil und wir haben tierisch Bock auf heute Abend.

Donots live auf der Lutzi 2016 (Foto: Lukas Veth)

Im Vorfeld haben mir die Organisatoren gestanden, dass sie sich mit Euch einen Traum erfüllt hätten. Ihr seid tatsächlich die größte Band, die sie bisher gebucht haben. Was zeichnet denn für Euch ein gutes Festival aus?

Ingo: Naja, das kommt ein bisschen darauf an, was du möchtest. Wenn du so ein Festival wie „Rock am Ring“ spielst, dann ist das natürlich beeindruckend. Dann hast du 80 bis 100.000 Leute vor der Bühne stehen, die durchdrehen wie „Schmitz Katze“ und du hast riesengroße Bands, mit denen du zusammen spielst. Das macht es auch für einen selbst interessant. Aber auf der anderen Seite sind diese Festivals natürlich ungleich anonymer von dem Ganzen, was so hinter den Kulissen passiert. Und wenn du dir hier so etwas anschaust, dann ist der absolute Glücksfall eben der, wie vorhin. Du kommst aus dem Bus und siehst schon die ganze Hier sind alle bemüht. Es wird sich wirklich Gedanken gemacht um Kleinigkeiten. Und zwar, so dass man sich wirklich willkommen fühlt. Man hat ganz klare Ansprechpartner. Und vor allen Dingen hast du einfach auch Leute, die tierisch Bock darauf haben, sich dann auch die Bands auch anzuschauen.

Guido: Gut war auch, als einer von den Veranstaltern zu mir kam und meinte: „Ey Guido, geil dass ihr da seid. Ich hab 'nen mega Kater von gestern!“

J.D.: Ich finde das immer geil, dass man bei so kleineren Festivals so eine Gemeinsamkeit hat. Man will dann auch den Leuten eine geile Zeit bereiten.

Ingo: Alle freuen sich wirklich auf das, was da passiert.

J.D.: Alle sind aufgeregt. Das ist am „Ring“ natürlich nicht so. Okay, wegen des Wetters vielleicht noch, aber alles andere ist seit Jahren Standard. Da triffst du ja auch nicht großartig Leute, mit denen du privat „schnackst“. Das ist sicherlich etwas ganz anderes.

Ingo: Ich habe mal so Anfang/Mitte der 90er in Ibbenbüren das Booking in einem Jugendzentrum gemacht. Und da sind eigentlich auch sämtliche Shows nur mit Ehrenamtlichen bestückt gewesen. Von daher weiß ich sehr um das Engagement, das da dahinter steckt und dieses Herzblut. Egal, was für eine Konzertgröße du aufziehen willst, als Veranstalter kannst du eigentlich nichts Besseres auf deiner Seite haben, als Leute, die Bock haben, dich dabei zu unterstützen. Den Leuten geht es dabei definitiv nicht ums Geld. Die ziehen alle an einem Strang und wollen eine schöne Zeit zusammen erleben. Das kannst du dir eben nicht kaufen.

Ihr lebt Euren Traum seit über 20 Jahren und habt das Privileg, dass Ihr eigentlich nur eurem Hobby frönen dürft. Wie ist es denn so, ein Rockstar zu sein? Was ist das überhaupt, wenn es den denn so gibt? Und wie seht Ihr euch eigentlich selbst?

Ingo: Man sagt uns ja eher nach, wir wären die Un-Rockstars.

Na aber Ihr seid ja schon eine „Hausmarke“...

Ingo: Ja, aber da machen wir uns gar nicht so viele Gedanken drum. Der Rockstar ist für mich eigentlich eher so ein bisschen „arschloch-mäßig“ konnotiert.

Alex: Stell dir vor, wir spielen um 23 Uhr und kommen aber erst um halb elf hierher. Und interessieren uns gar nicht so dafür, was hier wirklich so an Stimmung ist. Das machen wir nicht. Für uns ist es auch nach über 20 Jahren eigentlich mit Teil des Spaßes dann hier zu sein, um zu sehen, was läuft denn hier eigentlich so, was für Leute laufen rum, wie ist das alles aufgebaut und und und... sonst kriegst du gar kein Gefühl dazu. Anders wäre es ein anonymes Abliefern. Ganz merkwürdig wäre das.

Ingo: Also wenn eigentlich das Festival austauschbar ist und eigentlich auch deine Show austauschbar ist. Ich finde das ganz fürchterlich. Ich nenne das immer „Hollywood-Metal“, wenn die typischen US-Radio-Rockgrößen ihre Show spielen und genau an jeder Stelle die gleiche verdammte Ansage jeden Abend kommt, also alles komplett getimed ist, dass dann die Person an der Stelle auf der Bühne stehen muss. Also wenn das eher so eine Art Theaterchoreografie oder so etwas ist. Das ist überhaupt nicht der Anspruch, den wir an Musik oder an den Auftritt haben. Eher im Gegenteil.

J.D: Ich hätte da ein schönes Beispiel – ohne den Bandnamen zu nennen. Wir haben auf so einem Festival mal wieder mittags rumgehangen, uns die Leute angeguckt und dann fing die Tourmanagerin der besagten Band an schon seit, ich glaub mittags, deren gesamtes Backstagezelt umzudekorieren. Sie hat alles umgestellt, der Kühlschrank musste dahin, die Stereoanlage dahin, die hat da stundenlang malocht... und dann irgendwann war sie fertig, wirklich nach Stunden! Da saßen wir dann hier in unserem „Kackzelt“ und haben uns gewundert, wann denn jetzt diese Band kommt. Und die kam und kam und kam nicht. Und dann sind die wirklich eine Viertelstunde vor Auftritt gekommen, an ihrem Backstage, dem schönen umgebauten, stundenlang umgebauten, vorbei auf die Bühne und nach dem Auftritt auch genau so wieder vorbei, haben das Zelt nicht eines Blickes gewürdigt, in den Bus und wieder nach Hause gefahren... ja und dann fing die an das Ganze wieder abzubauen.

Ingo: „Also falsch dekoriert.“ Aber um nochmal zu deiner Frage zurück zu kommen. Wir werden damit gar nicht so konfrontiert. Ich glaube, das hängt immer damit zusammen, was strahlt man selber ausstrahlt und was spiegelt man wider. Das kann man ja auch wollen, dass man so ein bisschen unnahbar und Rockstar mäßig ist. Wir finden es eigentlich immer schön, wenn wir die Leute immer so treffen.

Donots im Interview mit RE ON TOUR. (Foto: RE ON TOUR)

Apropos Image. In Artikeln werden immer wieder die gleichen Titel von Euch genannt mit denen Euch die Leute vermeintlich assoziieren.

Ingo: Da hat man sowieso gar keinen großen Einfluss drauf bzw. wir geben uns so wie wir uns geben und wenn das das ist, was weitergetragen wird von den Leuten, dann ist das auch in Ordnung. Mir ist das ehrlich gesagt ziemlich „wumpe“. Ich habe einfach Bock mit den Jungs unterwegs zu sein, mit einer netten Crew unterwegs zu sein, nette Leute zu treffen.

Gegenüber einem Kollegen von „DerWesten“ hast du vor Kurzem sehr gut gekontert. Der hat die leidige Frage gestellt, ob man nach so vielen Jahren nicht der ganze Sache müde wäre. Du hast geantwortet: „Wir wachen doch grade erst auf, wir fangen doch jetzt erst an.“ Ist das schon ein kleiner Hinweis auf das, was noch kommen könnte?

Ingo: Naja, wir sind natürlich schon dabei, an neuen Songs zu arbeiten. Aber es fühlt sich natürlich trotzdem noch so an, als dass die „Karacho“ noch sehr sehr frisch ist. Und irgendwie jetzt auch in dieser Festival-Saison natürlich dann hoffentlich komplett bei den Leuten angekommen ist. Wir touren jetzt auf jeden Fall noch zu Ende, wir schrauben aber auch schon wieder fleißig an neuen Songs. Wir geben uns aber natürlich auch alle Zeit der Welt. Es muss ja irgendwie auch weitergehen, weil zurücklehnen war ja auch nie unser Ding...(lacht) wobei der Bandname „Donots“ ja etwas anderes suggerieren würde.

Wollen wir nochmal kurz beim Thema „Deutsch“ bleiben. Die Platte ist tatsächlich eine Zäsur. Denn in seiner Muttersprache zieht man sich schon ein bisschen mehr aus. Wie kam es zu der Entscheidung und wie fühlt ihr Euch jetzt nach einem Jahr damit?

Ingo: Die Entscheidung ist, wie so oft, einfach im Laufe der Zeit gefallen. Wenn uns etwas Bock macht, dann machen wir das, dann verfolgen wir das. Wir machen keine Auftragsarbeiten. Das hat noch nie geklappt, das wird auch wahrscheinlich nie so richtig klappen. Und wenn es sich in einem Moment richtig anfühlt, dann machen wir das einfach. Denn dann ist es auch authentisch. Wenn uns jemand vor Jahren gesagt hätte, macht mal eine deutsche Platte... da haben wir uns einfach wohl gefühlt mit dem Englisch... jetzt gerade macht es unfassbaren Bock. Du hast schon recht, man macht sich da schon echt nackig. Das ist schon etwas ganz anderes. Aber auch da macht man sich selbst, glaube ich, dann mehr Druck. Von der Fanperspektive aus ist es natürlich schon eine krasse Zäsur. Für uns selbst ist es anders. Dadurch ist das Songwriting wieder ein bisschen aufgebrochen und es ist wieder so ein bisschen frische Luft im Proberaum. Du weißt einfach nach 20 Jahren schon welche Knöpfe du drücken musst, damit unten aus der Maschine ein Song rauskommt. Das hält halt einfach alles frisch. Wenn du solche Sachen mal irgendwie probierst und dich neuen Herausforderungen stellst. Und ich habe mir dann, glaube ich, echt auch ultra viel Druck gemacht, weil ich eigentlich deutsche Musik zum größten Teil richtig beschissen finde (lacht).

Du hast Dich im Vorfeld ein bisschen „desensibilisiert“, oder?

Ingo: Ja quasi. Ich werde oft damit zitiert, ich hätte meinen „Shit-Detektor“ an. Ich habe mir in der Tat auch einfach vieles angehört, also auch viele Sachen, die ich einfach nicht mag. Aber das ist trotzdem auch wichtig zu wissen, weil genauso wichtig zu wissen, was du willst, ist auch zu wissen, was du nicht willst. Ganz besonders bei deutscher Sprache, weil die kann ganz schnell richtig eklig werden. Für mich gibt es da einen Maßstab: Würde ich rot werden, wenn ich meine Texte den paar deutschen Künstlern, die ich wirklich gut finde, vorspiele. Oder würde ich denken, das geht schon klar.

Wem hättest du es denn gerne vorgespielt?

Ingo: Vornehmlich alten Deutschpunk Helden. Ich finde die Schreibe von Markus Wiebusch super, unser Freund Nagel von Muff Potter ist auch super. Früher die Toten Hosen, Die Ärzte und so etwas, das sind Sachen, mit denen man groß geworden ist.

Mal schauen, vielleicht lässt sich da ja mal ein Meeting arrangieren...

Ingo: (lacht) Vielleicht.

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