Local Heroes Bayern 2026: Lauraine – sie hat Haltung, Clubenergie und eine klare Stimme
„Wir leben momentan in so krassen Zeiten, dass es wirklich wichtig ist die Kunst und Kultur oben zu halten“, ist Lauraine überzeugt. (Foto: Deza Realdy)
Am 26. Juni steigt das Local Heroes Bayern-Landesfinale auf dem „ab geht die Lutzi“. Mit Lauraine aus München steht diesmal eine Künstlerin auf der Zeltbühne, die Pop neu denkt – als Raum für Energie, Diversität und den Anspruch, Menschen nicht „nur“ zu erreichen, sondern zu bewegen.Es gibt Künstlerinnen, die lange nach ihrem Zugang suchen. Und es gibt solche, bei denen sich vieles früh bündelt und später neu sortiert. Bei Lauraine ist beides gleichzeitig spürbar. Gegenüber Local Heroes Bayern schildert sie ihren Weg erstaunlich unaufgeregt. Selbst der Künstlername folgt keinem großen Konzept. „Relativ langweilig eigentlich“, gesteht sie und erzählt von einer Figur, die sie zufällig entdeckt hat. Aus einer spontanen Idee wird ein Name, der geblieben ist.Musik ist Therapie und innerer Frieden
Auch musikalisch beginnt vieles im Umfeld. Ihre Eltern unterrichten Musik, ihre Mutter gibt den entscheidenden Impuls. „Meine Mum hat schon immer gesagt, dass ihre Töchter ein Instrument lernen sollen“, erzählt Lauraine. Sie probiert sich aus, wechselt Instrumente, bis sie beim Gesang ankommt. Dort bleibt sie. Songwriting kommt später hinzu, entwickelt sich parallel zu Ausbildung und Studium. Heute beschreibt sie ihre Beziehung zur Musik deutlich direkter. Sie sei „Therapie, innerer Frieden und ganz ganz viel power“. Es ist eine Formulierung, die weniger nach Strategie klingt als nach Notwendigkeit.
Diese Haltung setzt sich auf der Bühne fort. Für Lauraine ist sie kein Ort der Bewertung, sondern ein Gegenentwurf dazu. „Es ist ein wertfreier Raum, wo die Zeit und Welt für einen kleinen Augenblick einfach mal stehen bleibt.“ In diesem Moment gehe es nur darum, präsent zu sein und dem Publikum etwas mitzugeben. Gerade in einer Zeit, die sie selbst als herausfordernd beschreibt, wird dieser Raum für sie zentral.
Ihr Antrieb geht über die Musik hinaus: „Meine intrinsische Motivation ist, jedem zu zeigen, dass man als behinderte Person genauso auf Bühnen gehen darf.“ (Foto: Pressematerial)
Die Local Heroes-Reise ist eine Wundertüte
Dass sie nun zu den Top 5 von Local Heroes Bayern gehört, wirkt im Rückblick fast beiläufig. Die Bewerbung selbst beschreibt sie als spontane Entscheidung. „Die Bewerbung war eine Nacht und Nebelaktion.“ Was danach folgt, überrascht sie selbst. „Die Local Heroes Reise ist eine einzige Wundertüte.“ Vom Einstieg bis ins Landesfinale.
Seitdem hat sich jedoch viel bewegt. Neue Shows, neue Songs, eine klare inhaltliche Entwicklung. Besonders wichtig ist für sie die Rückkehr zur deutschen Sprache. Sie beschreibt diese Phase als dynamisch, fast beschleunigt. Anfragen kommen zurück, die Community wächst. Gleichzeitig bleibt die Freude am Prozess im Mittelpunkt.
Ihr Blick aufs Bundesfinale ist klar: „Musikalischer Input, Business Input, neue Connections und viel Fun haben – quasi Spaß am Spaß.“ (Foto: Deza Realdy)
Auffällig ist ihr Umgang mit Erwartungen. Druck empfindet sie kaum. „Wir können uns nur so präsentieren wie wir sind und entweder es wird gemocht oder nicht.“ Eine Haltung, die Gelassenheit mit Klarheit verbindet. Gleichzeitig formuliert sie Ambitionen. Sie will weiter, will auf größere Bühnen. Und sie will sichtbar sein. Diese Sichtbarkeit hat für sie eine zusätzliche Dimension. Als Künstlerin mit Behinderung versteht sie ihre Präsenz auch als Statement. Sie spricht davon, zeigen zu wollen, dass Bühnen für alle da sind. Dass es keine Einschränkung dafür geben sollte, Menschen zu erreichen.
Mit Local Heroes Bayern zurück zur Musik
Ihre Erfahrungen mit anderen Wettbewerben haben diesen Blick geschärft. Damals sei es um das Sammeln von „Likes“ gegangen – mit Erfolg. „Das hatte plötzlich so eine eigene Dynamik entwickelt, auf die ich bis heute sehr stolz bin“, erinnert sie sich. Beim aktuellen Format hebt sie die Rolle der Jury hervor. Für sie bedeutet das eine Verschiebung zurück zur Musik. Weg von reinen Zahlen, hin zu Qualität. Das „nimmt für mich bisschen den Druck raus.“
Was das Publikum beim Landesfinale erwartet, beschreibt sie jedoch klar. „Unsere Musik ist absolut tanzbar, mitreißend und feierbar.“ Gleichzeitig spricht sie von Energie, von Clubatmosphäre, von einem Set, das Räume verändert. Je nach Slot könne daraus ein Moment entstehen, in dem sich ein Festival plötzlich wie ein Club anfühlt.
Der Weg zurück zur deutschen Sprache markiert einen bewussten Neustart: „Ich hab‘ glaub noch nie so nah und ehrlich geschrieben.“ (Foto: Pressematerial)
Langfristig denkt Lauraine konsequent weiter. Ihr Ziel ist klar formuliert. Sie möchte eines Tages „nur von der Musik leben“ und vor allem live spielen können. Dahinter steht kein abstrakter Karrierebegriff, sondern ein sehr konkreter Wunsch nach Präsenz und Austausch. Am Ende verdichtet sich vieles in einem Satz, den sie fast nebenbei formuliert. „Man kann alles schaffen, solange man wild ist, mutig und frech!“ Vielleicht ist genau das der Kern von Lauraine. Keine Inszenierung, sondern Haltung. Keine fertige Formel, sondern ein Prozess, der sich gerade sichtbar formt.
Text: Nicole Oppelt
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Local Heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das Local Heroes Bayern-Team von König & Meyer, Cordial GmbH, pixelagenten (Werbeagentur), STOLZ Bauunternehmen (Hammelburg), Nadel NESt (Tattoo & Piercing), Posthalle Würzburg und natürlich dem Ab geht die Lutzi-Festival. Ohne diejenigen, die an Local Heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.
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