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Fließende Übergänge

Die „Illustrators“ sprechen über musikalische Neuigkeiten, engagierte Fans und den Weg hin zu mehr Professionalität

Mit einer findigen Idee und witzigen Aktionen haben die Illustrators ihre aktuelle EP finanziert. (Foto: Pressematerial)

Es gibt „Weggefährten“, die einer näheren Betrachtung lohnen. Junge Musiker, deren Schaffen spannend bleibt und immer wieder aufhorchen lässt. Zu jenen gehören auf jeden Fall die „Illustrators“. Die Band aus den Probenräumen der Musikiniative Hammelburg e.V. macht seit Anfang 2013 gemeinsam Musik. Und spätestens seit dem Release ihrer ersten, von Jens Schneider (Joris, Max Giesinger) produzierten EP „Cut it Out“ bereichern Marcel Grosch, Lukas und Maximilian Fuß sowie Marius Stürzenberger nicht nur die bayerische Musiklandschaft nachhaltig. Facettenreiche Indie-Elektro-Spielarten sind ihr Metier – und was sich Neues in diesem tut, hat RE ON TOUR auf dem diesjährigen „ab geht die Lutzi“-Festival in Rottershausen in einer kurzweiligen und nicht ganz ernst gemeinten Backstage-Begegnung erfragt.


RE ON TOUR: Zwei Jahre ist es her, seit ihr zuletzt auf dem „ab geht die Lutzi“-Festival aufgetreten seid. Was gefällt euch diesmal besonders am musikalischen Angebot? 

Marcel: Ich bin ein riesen Heisskalt-Fan.
Marius: Ja, Heisskalt ist cool.
Marcel: Und Royal Republic natürlich.
Marius: Die Illustrators sollen ganz gut sein. ;-)
Marcel: Minipax sind sympathische Leute, die haben wir gerade kennen gelernt. Die schauen wir uns an.
Maxi: Milliarden gehören auf jeden Fall noch dazu. Die sind gerade ein bisschen am hypen... oder am gehyped werden.


RE ON TOUR: Was hat sich seit eurem letzten Auftritt in Rottershausen eigentlich bei euch als Band getan?
Marcel: Ja, was haben wir in den letzten zwei Jahren gemacht eigentlich? Wir haben geprobt... haben wir überhaupt etwas gemacht?
Maxi: Naja, wir haben eine Platte aufgenommen.
Lukas: Wir haben Songs geschrieben und diese Songs waren für uns so gut, dass wir gedacht haben, ja das können wir auch mal auf Platte bringen. Dann sind wir also ins Studio und haben eine Aufnahme gemacht.
Maxi: Um genauer zu sein, eine EP mit 5 Songs, die ist jetzt im April herausgekommen.
Marius: … und ein Video haben wir noch aufgenommen.
Maxi: Ohja, ein schönes Video in Würzburg, in der FH. Darin sind wir Vier mit viel Farbe zu sehen. Das gibt‘s auch auf Youtube, weiß ja jeder wo‘s hingeht, und wer will kann sich‘s ja mal anschauen.


RE ON TOUR: Gute Songs sind die eine Sache, aber wie konntet ihr die EP „Gap The Mind“ letztlich umsetzen?
Marius: Wir haben eine Weile gesucht und uns in verschiedenen Studios umgesehen.
Maxi: Wir haben ja eigentlich unseren „Star-Coach“ Jens Schneider. Der ist aber inzwischen so „fame“, dass wir da leider nicht mehr rankommen. Also mussten wir uns anderweitig umschauen. In der „Schmiede“ in Mannheim, der Popakademie, haben wir dann jemanden gefunden, der aus unserer Nähe, aus Schweinfurt kommt. Jonas Piknias heißt der Gute, der hat das auch echt geschmeidig gemacht. Gemeinsam haben wir uns bei Volkach eingemietet, im schönen Weingebiet an der Mainschleife und haben da drei vier Tage inmitten von Weinbergen in einer umgebauten Scheune gearbeitet. Das war herrlich. Bis April hat es dann gedauert, bis dann alles gemischt wurde, zum Mastering ging und jetzt vor wenigen Wochen erschienen ist.


RE ON TOUR: Was einige vielleicht nicht wissen. Die EP verdankt ihre Entstehung auch einer ganz besonderen Geschichte.
Lukas: Marcel hat sich jeden Tag ohne, dass wir es wussten in die Fußgängerzone gestellt und ein bisschen Lieder geträllert. Da kamen dann halt 10.000 Euro zusammen. (alle lachen)
Marcel: Nee, wir waren da auf so einer Seite, ähnlich wie Kickstarter, startnext hieß die. Dort haben wir einfach eine Seite erstellt und haben gesagt, wir wollen das und das machen. ihr könnt uns gerne Geld geben und wenn ihr das tut, kriegt ihr auch Geschenke dafür.
Marius: Da waren Sachen wie zum Beispiel kochen dabei.
Marcel: Stimmt! Auch zwei private Konzerte haben Leute gebucht, ein privates Kochevent mit uns, auch ganz lustig... gute alte bürgerliche fränkische Küche. Marius: Es gab verschiedene Fanpakete, die man buchen konnte.
Maxi: Ein solches Vorgehen hat sich bewährt – auch bei größeren Bands. Diese machen das zum Beispiel, um sich selbst einfach einen gewissen Puffer einzuräumen, wenn mal was nicht so ganz glatt geht. Dann kann man weniger gestresst an die Sache herangehen.
Lukas: Und auch bei uns hat das gut funktioniert. Wir haben am Ende, glaube ich, sogar ein bisschen Überschuss damit gemacht.


RE ON TOUR: Und was gab für euch den Anstoß, diesen Weg zu gehen? Waren es die größeren Bands, die das schonmal gemacht haben?
Maxi: Naja, der kam von außen. Man informiert sich einfach und auch Leute haben uns gesagt, wieso versucht ihr das nicht einfach mal. Irgendwann haben wir dann darüber gesprochen, ich glaube sogar während der Aufnahme, und haben dann ein Video gedreht....
Marius: Ich war erst kritisch, wurde aber vom Gegenteil überzeugt.
Maxi: ... und es hat sich gelohnt, also...


RE ON TOUR: Es hat also alles funktioniert?
Marius: Besser als gedacht, ja.


RE ON TOUR: Wie haben eure Fans darauf reagiert?
Marcel: Ja sehr positiv natürlich.
Lukas: Es war schon Unterstützung da, vor allen von den Eltern kam auch viel, aber auch von vielen Freunden und Bekannten vor allem.
Maxi: Es gab auch ein paar Unbekannte, aber die hauptsächlichen Leute waren schon aus dem engeren Kreis, die unseren Werdegang so ein bisschen mitverfolgt haben.

Auf dem „ab geht die Lutzi“ sind die Illustrators immer gern gesehene Gäste. (Foto: RE ON TOUR)


RE ON TOUR: Kommen wir nun, zu dem, was in der neuen EP steckt. Was gibt es neuerdings von euch zu hören. Gibt es klar Neues oder ist alles beim Alten?
Maxi: Ich würde es als fließenden Übergang von 2013 bis jetzt beschreiben.
Lukas: Wir haben uns nicht grundlegend geändert. Wir haben uns jetzt nicht hingesetzt und gesagt so, wir müssen jetzt etwas anderes machen oder uns stilistisch komplett neu ausrichten.
Maxi: Ich denke, wir sind auch gereift – logischerweise. Aber irgendwie sind wir auch die Gleichen geblieben. Ich weiß nicht, ob Marcels und Lukas Texte jetzt irgendwie behandeln müssen, dass sie nun auf die 30 zugehen… Klar haben wir viel elektronische Spielereien ausprobiert, vor allem ich. Bald haben wir einen neuen Synthesizer am Start, da sind wir noch am etwas austüfteln. Aber prinzipiell ändert sich jetzt nichts von der Machart her. Es ist Bewährtes mit neueren, kleinen Elementen.


RE ON TOUR: Eure EP hat bereits ordentlich Lob kassiert. So schreibt etwa der Musikblog: „Aus der Provinz zu stammen und gleichzeitig einen internationalen Sound zu kreieren muss kein Widerspruch sein“. Und Trvelove schreibt: „Man hört ihnen auf ihrer neuen EP „Gap The Mind“ zu jeder Sekunde an, dass sie in ihrer Musik aufgehen und davon überzeugt sind. Die Songs sind wunderbar arrangiert und vereinen klassische Indie Rock-Riffs mit vielen elektronischen Spielereien.“ Spornt euch das an, die Kreativabteilung wieder laufen zu lassen, in den Keller zu gehen und neue Sachen zu machen oder hört man als Musiker lieber auf die „Zwischentöne“ – sprich, konstruktive Kritik oder ähnliches?
Maxi (lacht): War da irgendwo konstruktive Kritik? War doch alles gut?
Marius: Wenn man so eine CD rausbringt und dann kommt sowas bei raus, dann ist das natürlich schon ein schönes Lob. Wenn man dann so eine gute Resonanz auf die EP bekommt. Neulich wurden wir auf Bayern 3 gespielt, Das macht einen schon stolz.

Entspannte Runde hinter den „Lutzi“-Kulissen. Die Illustrators stehen Rede und Antwort. (Foto: RE ON TOUR)


RE ON TOUR: Apropos, welches Feedback gab es denn von den Radio-Zuhörern?
Lukas: Es gab paar Kommentare auf Youtube danach.
Maxi: Es kommen auch noch ein paar Radiosachen in Zukunft. Es verebbt jetzt nicht sofort wieder. Das ist jetzt ganz cool, dass Leute nach wie vor schreiben, dass es ihnen gefällt. So merkt man direkt, dass es eben auch ankommt und nicht nur zwei Tage nach Erscheinen mal kurz so 5 Klicks mehr auf Facebook bekommt. Man merkt schon, dass sich die Leute ein bisschen mehr interessieren.
Lukas: Das Ganze hat uns halt auch in Sachen Professionalität noch eine Ebene höher gebracht. Die EP ist schon sehr gut produziert, deutlich besser und professioneller als die vorhergehende EP. Auch in das Video haben wir auch mehr Geld und Zeit gesteckt. Gerade so ein Video ist schon der Botschafter nach außen. Wenn jemand eine neue Band hört, schaut er sich zuerst ein Video von denen auf Youtube an. Und genau so machen das auch Veranstalter. Wir haben da jetzt auf jeden Fall etwas Gutes vorzuweisen. Die Resonanz ist da und die Konzerte werden auf jeden Fall auch größer.
Maxi: Wir haben auch mehr Anfragen. Wir könnten jetzt echt fast 50/60 Konzerte im Jahr spielen. Wenn die Zeit dafür da wäre, wären auch richtige Touren drin.
Marius: Da haben dann die fleißigen Studenten aber auf die Bremse gedrückt.


RE ON TOUR: Nach der „Lutzi“ ist vor der „Lutzi“ oder auch nach dem Konzert ist vor dem Konzert. wo können euch eure Fans und Musikfreune als nächstes sehen?
Maxi: Am 29. Juli, um 17.40 Uhr, sind wir im Rahmen des Bardentreffens in Nürnberg auf dem Lorenzer Platz zu hören. Das Ganze soll ja das größte Umsonst & Draußen in Deutschland sein. Darüber hinaus haben wir im Herbst und Winter noch ein paar Gigs, ne kleine Mini-Deutschlandtour, die uns zum Beispiel nach Hamburg und Berlin führt. Ja, es ist einiges geplant. aber wir haben ja auch noch ein Leben neben der Band.

Alle Infos zu den Illustrators findet hier: Homepage Soundcloud Facebook

Text: Nicole Oppelt

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